| Aus der Geschichte des Landkreises Teltow-Fläming |
(von
Silvio Fischer, Leiter des "Museums des Teltow" in Wünsdorf)
Mit der brandenburgischen Kommunalreform wurde per 5. Dezember 1993
der neue Landkreis Teltow-Fläming gebildet. Er liegt mit einer Fläche
von 2090,58 Quadratkilometern und 150.000 Einwohnern (1995) im Mittelfeld
aller achtzehn brandenburgischen Stadt- und Landkreise.
Bei der Benennung lehnte man sich an vorhandene Landschaftsbezeichnungen
an: Das eiszeitlich entstandene Teltowplateau im Norden und der (Niedere)
Fläming im Süden.
Bezogen auf die bis 1952 gültige Kreisstruktur handelt es sich um den
mittleren bis westlichen Teil des früheren Kreises Teltow und, fast
deckungsgleich, den Kreis Jüterbog-Luckenwalde. Bildete sich im seit
Jahrhunderten zu Brandenburg zählenden früheren Kreis Teltow (Der
seit dem Mittelalter als Landschaft verstandene Teltow ist nicht zu verwechseln
mit der gleichnamigen Stadt!) seit dem 17. Jahrhundert eine entsprechende
Verwaltungsstruktur heraus, so entstand Jüterbog-Luckenwalde erst mit
der Neuordnung der preußischen Provinzen nach dem Wiener Kongreß von
1815.
Der Landkreis Teltow-Fläming kann auf eine vielschichtige und interessante
Vergangenheit verweisen, die noch heute das Bild vieler unserer Städte
und Dörfer prägt.
Chronologie (Auswahl):
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Im
Zuge der mittelalterlichen deutschen Ostsiedlung werden in dem seit der
Völkerwanderungszeit
von Slawen bewohnten Territorium Siedler aus Gebieten westlich von
Elbe und Saale seßhaft, darunter wohl auch Flamen (Fläming!).
Unser Territorium liegt dabei im Spannungsfeld der Interessen der askanischen
Markgrafen von
Brandenburg, der wettinischen Markgrafen von Meißen und der Erzbischöfe
von Magdeburg sowie einiger kleinerer Territorialherren. Die Askanier
erlangen und sichern die Herrschaft auf dem Teltow, das Gebiet um Jüterbog
und Luckenwalde ist zunächst in magdeburgischem Besitz, und die Herrschaft
Zossen zählt als böhmisches Lehen im Mittelalter zur Lausitz. |
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1007:
Jüterbog wird erstmals urkundlich erwähnt. Der Ort erhält
1174 Magdeburger Stadtrecht. Viele bedeutende Bauwerke der Stadt
zeugen noch heute von der Bedeutung, die Jüterbog besonders im 12.
bis 16. Jahrhundert zukam. |
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1170/71:
Erzbischof Wichmann stiftet das Zisterzienserkloster Zinna, das unter
magdeburgischer Lehnshoheit ein eigenes Herrschaftsgebiet aufbaut.
Dazu zählt
auch die im Jahre 1285 erworbene Burg Luckenwalde (Ersterwähnung 1216).
Der Besitz des Klosters wird im 16. Jahrhundert säkularisiert. |
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Um 1185: Das Land Dahme gelangt in den Besitz des Erzbistums Magdeburg. |
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Seit
Anfang des 13. Jahrhunderts fassen die Askanier, ausgehend von ihren
Besitzungen im Havelland und der Zauche, auf dem Teltow Fuß. 1232
wird der Teltow als territoriale Einheit erstmals urkundlich erwähnt. |
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1320: Ersterwähnung
Zossens. Die Herren von Torgow erscheinen seit dem 14. Jahrhundert als "herren
zu der Zcossen”, der Burg und 26 umliegender Dörfer. |
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Baruth,
bis dahin magdeburgisch, kommt 1326 in kursächsischen Besitz. |
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1490:
Nach dem Aussterben der Torgows (1478) kauft der brandenburgische
Kurfürst
Johann (Cicero) die Herrschaft Zossen für 16.000 Gulden, die damit
zu einem kurfürstlichen Amt wird. |
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1517:
Johannes Tetzel verkauft in Jüterbog Ablassbriefe. |
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1519:
Thomas Müntzer predigt in Jüterbog |
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1546:
Verleihung weitreichender Privilegien und Gerechtigkeiten an die
Stadt Zossen durch Kurfürst Joachim II. |
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1596:
Graf Otto zu Solms-Sonnewalde kauft die Herrschaft Baruth. |
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1618-1648:
Dreißigjähriger Krieg. Wie andere Teile Deutschlands auch wird
unser Gebiet schwer verwüstet, die Bevölkerung dezimiert. Mehrfach
wird die Region von Kämpfen und durchziehenden Truppen heimgesucht.
1641 wird die strategisch wichtige Zossener Burg von den Schweden erobert
und zerstört. |
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1635: Die erzstiftischen Ämter
Jüterbog und Dahme gelangen durch den Prager Frieden in kursächsischen
Besitz (ab 1657 bei der Sekundogenitur Sachsen-Weißenfels bzw. seit
1663 beim Fürstentum
Querfurt). |
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1680:
Nach den Bestimmungen des Westfälischen Friedens fallen Luckenwalde
und das seit 1553 bestehende Amt Zinna mit dem Herzogtum Magdeburg
an das Kurfürstentum Brandenburg. |
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1756:
Mit dem Einmarsch der Truppen des Preußenkönigs Friedrich II.
in das damals sächsische Jüterbog beginnt der Siebenjährige
Krieg. |
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1773:
Durch einen Gebietstausch wird der Luckenwaldische Kreis territorial
direkt der Kurmark Brandenburg zugeordnet. |
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1813:
Auf dem Territorium des heutigen Landkreises kommt es zu den Schlachten
von Großbeeren (23. August) und Dennewitz (6. September). Der Berlinarmee
Napoleons werden empfindliche Niederlagen beigebracht, die Franzosen
aus der Mark verdrängt. |
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1814-1817:
Das Dichterehepaar Ludwig Achim und Bettina von Arnim lebt im heutigen
Schloss Wiepersdorf. Beider Grabstätten
befinden sich im Ort. |
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Ab 1815: Nach
dem Wiener Kongress werden die Ämter Jüterbog und Dahme sowie
die Herrschaft Baruth der preußischen Provinz Brandenburg zugeschlagen.
Unter Einbeziehung Luckenwaldes, Zinnas und einiger kleinerer Territorien
wird
1816 der Kreis
Jüterbog-Luckenwalde gebildet. Jüterbog wird Kreisstadt und hat nach
180 Jahren getrennter Entwicklung wieder dieselbe landesherrliche
Zuordnung wie Luckenwalde. |
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1832:
Nach Entwürfen Lennés entsteht der zum Blankenseer Schloss
gehörende
Park. 1902 erwirbt der Dichter Hermann Sudermann Schloss und Park und
gestaltet die Anlagen in seinem Sinne weiter. |
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1841
werden Trebbin, Luckenwalde und Jüterbog an die Eisenbahnlinie Berlin-Halle
angeschlossen. Damit ergeben sich günstige Voraussetzungen für
die industrielle Entwicklung. Besonders Luckenwalde zieht Gewinn
aus diesem Fortschritt und wird zunehmend zur einwohnerstärksten Stadt
auf dem Gebiet unseres heutigen Landkreises.. |
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Zossen
profitiert 1838 vom Anschluss an die Poststrecke Berlin-Dresden. Dem
ging der Ausbau der Chaussee, der heutigen B 96, zwischen 1836 und 1838
voraus. |
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1864:
Anlage eines großen Truppenübungsplatzes mit Schießplatz
bei Jüterbog. Altes Lager (1870), Neues Lager (1889) und Jüterbog
II (1890) werden zu wichtigen preußisch-deutschen Garnisonsorten. |
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Mit
dem Anwachsen der preußischen und späteren Reichshauptstadt
Berlin werden in deren Umland eine Reihe neuer militärischer Versuchs-
und Übungsplätze angelegt. So in den 1870er Jahren der Artillerieschießplatz
Kummersdorf, der u.a. in den 1930er Jahren für Versuche zur Raketentechnik
(Wernher von Braun, Walter Dornberger) genutzt wird. Etwa ab 1910
wird im Bereich Zossen-Wünsdorf-Zehrensdorf ein Truppenübungsplatz
neu angelegt. Die später dort errichteten Bunkeranlagen Maybach I
und II dienen zwischen 1939 und 1945 der Kriegführung des Oberkommandos
des Heeres (OKH).
Von 1953 bis 1994 hat das Oberkommando der sowjetischen/russischen
Truppen in Deutschland seinen Sitz in Wünsdorf. |
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Die
an Berlin grenzenden Teile des Kreises Teltow profitieren seit Ende des
19. Jahrhunderts wirtschaftlich besonders vom Anwachsen der Hauptstadt. |
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1875:
Zossen bekommt Anschluss an die Eisenbahnlinie Berlin-Dresden. Im
selben Jahr wird die "Königliche Militäreisenbahn” (später
mit Personenverkehr) vom heutigen Berlin-Schöneberg über Zossen
nach Kummersdorf-Schießplatz eingeweiht, die 1897 bis Jüterbog
verlängert wird. |
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Während
des Ersten Weltkriegs existieren bei Zossen und Wünsdorf zwei Lager
für kriegsgefangene Muslime und Angehörige anderer Glaubensrichtungen.
1915 wird dort eine Moschee eingeweiht. |
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1920:
Mit der Schaffung der neuen Stadtgemeinde Groß-Berlin muß der
Kreis Teltow eine ganze Reihe von Stadt- und Landgemeinden sowie
Gutsbezirke an die Hauptstadt abgeben. Der Verlust des dichtbesiedelten
und wirtschaftlich
starken Nordens führt zu einem schmerzhaften Verlust von Steuereinnahmen. |
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1920/30er
Jahre: Interessante Entwicklungen auf dem Gebiet von Städtebau und
Architektur. Dazu zählen die Entstehung von innovativen Wohnsiedlungen
und das im Bauhausstil errichtete Stadttheater in Luckenwalde oder
auch die Daimler-Werkssiedlung in Ludwigsfelde. Der Architekt Bruno
Taut errichtet
sein Wohnhaus in Dahlewitz. Im Norden des heutigen Landkreises entstehen
in den dreißiger Jahren eine Reihe von Großsiedlungen (u.a.
Mahlow, Blankenfelde, Rangsdorf) für jeweils mehrere tausend Einwohner.
Die Fertigstellung des Berliner Südrings der Autobahn (1938) begünstigt
zusätzlich die demographische und ökonomische Entwicklung der
an Berlin grenzenden Orte. |
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1936/37:
Errichtung des Daimler-Benz-Flugzeugmotorenwerkes in Ludwigsfelde.
Später,
seit den 50er Jahren, wird die Industriegemeinde zum Synonym für die
DDR-Fahrzeugproduktion (u.a. des LKW W 50). Erst seit 1965 Stadt,
hat Ludwigsfelde heute die größte Einwohnerzahl im Landkreis. |
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Von
1940 bis 1961 (Rangsdorf) und seit 1992 (Blankenfelde) enden Linien
der Berliner S-Bahn im Kreisgebiet. |
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1952:
Jüterbog, Luckenwalde und Zossen werden Kreisstädte von nunmehr
verkleinerten Verwaltungseinheiten. Teile des alten Kreises Teltow
werden Königs Wusterhausen und Potsdam-Land zugeordnet, die Stadt
Dahme und umliegende Orte zählen bis 1993 zum Kreis Luckau. |
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5.
Dezember 1993: Kommunalwahlen im Bundesland Brandenburg. Geburtsstunde
des Landkreises Teltow-Fläming mit der Kreisstadt Luckenwalde. |