In der Familie blieb ein Loch

12.08.11 Pressestelle TF, Online-Redaktion

Mehr als 60 Teilnehmer ehrten die Maueropfer mit einer Gedenk-Radtour.

Foto: © Landkreis TF
Mit einer ungewöhnlichen Aktion wurde am 11. August 2011 an den Bau der Berliner Mauer vor 50 Jahren erinnert. Mehr als 60 jüngere und ältere Einwohner Teltow-Flämings, Politiker und Angehörige von Maueropfern trafen sich zu einer Radtour des Gedenkens. Mit dabei waren auch Schüler, die das Angebot des Blankenfelder Ferienpasses nutzten.

Ausgangspunkt war der Ort des ehemaligen Grenzübergangs Berlin-Lichtenrade an der B96. Heute erinnert ein Denkmal der Bildhauerin Kerstin Becker an dieser Stelle an den Fall der Berliner Mauer.



Wolfgang Bramböck erinnert an den Tod seines Sohnes. Rechts: Landrat Peer Giesecke

Foto: © Landkreis TF

Den Mauerradweg entlang ging es Richtung Heinersdorf. Unterwegs machten die Teilnehmer Halt an den Stelen, die zu Ehren der Maueropfer Herbert Kiebler aus Mahlow (erschossen 1975 beim Versuch, die Grenze zu überwinden) und Christoph-Manuel Bramböck aus Berlin-Lichtenrade (beim "Mauerpicken" 1990 von einem Betonteil erschlagen) von der Stiftung Berliner Mauer errichtet worden waren. Hier berichteten Nicole Skalla, Nichte von Herbert Kiebler, und Wolfgang Bramböck, Vater von Christoph-Manuel, über die Wunden, die der Tod - verursacht durch die deutsche Teilung - in ihren Familien hinterlassen hat. "In der Familie blieb bis heute ein Loch", so Nicole Skalla. Erst nach der Wende habe ihre Familie, die zu DDR-Zeiten von den Behörden bespitzelt und drangsaliert wurde, die ganze Wahrheit über die Ermordung von Herbert Kiebler erfahren.

Der Mauerbau kostete mindestens 136 Menschen das Leben. Aber auch andere Opfer seien zu beklagen, so Kreistagsvorsitzender Christoph Schulze: "Ein ganzes Volk wurde eingemauert und seiner Perspektiven beraubt". Zu den Maueropfern gehörten auch die Einwohner von Osdorf. Ihre Heimat wurde 1968 dem Erdboden gleich gemacht; nur eine Scheune blieb erhalten. Die Einwohner wurden nach Heinersdorf umgesiedelt. Heute erinnert ein Gedenkstein vor der Osdorfer Scheune an das im 14. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnte Dorf.

Landrat Peer Giesecke äußerte zum Abschluss der 12 km langen Tour: "Ich bin erfreut, dass sich dieser Radtour so viele angeschlossen haben. Besionders danke ich den Zeitzeugen, die mit ihren Berichten dazu beigetragen haben, dass die Opfer der Mauer nicht vergessen werden. Gemeinsam konnten wir so ein Zeichen gegen Gewaltherrschaft setzen. Ein Dank auch an die Gemeinden Großbeeren und Blankenfelde-Mahlow für die Unterstützung."