Der größte Wunsch: Arbeit

Raida Albajekni und Ibraheem Alrihaymee sind dankbar für Hilfe und Unterstützung im Landkreis
Datum: 11.07.2013
Ibraheem Alrihaymee, Christiane Witt und Raida Albajekni (v. l. n. r.) beim Pressetermin in der Kreisverwaltung | Foto: Landkreis TF

Raida Albajekni strahlt. Sie hat gerade ein Praktikum in der Kreisverwaltung Teltow-Fläming absolviert und dort sehr viel Neues erlebt und erfahren. Das macht sie froh und dankbar.

Ähnlich geht es ihrem Mann Ibraheem Alrihaymee, der bei der Stadtverwaltung Luckenwalde vier Wochen hinter die Kulissen blicken konnte. Auch ihm bot man die Möglichkeit, im Rahmen eines Praktikums erste Erfahrungen mit deutschen Behördenstrukturen zu sammeln.

Selbst etwas einbringen

Das Ehepaar und seine beiden Kinder, Ihad (12) und Maryam (10), gehören zu den rund 400 Flüchtlingen, die derzeit im Landkreis Teltow-Fläming leben. Und das tun sie - wie sie dieser Tage im Rahmen eines Pressegespräches betonten – mittlerweile auch gern.

Unter einer Voraussetzung: Sie wollen unbedingt arbeiten, sich integrieren, einbringen, der neuen Heimat etwas von dem zurückgeben, was sie an Hilfe bekommen haben. Denn nach Libyen, das sie nur sehr schweren Herzens verlassen haben, können sie vorerst wohl nicht.

Hoch qualifizierte Fachleute

Raida Albajekni ist von Beruf Englischlehrerin. Zuletzt war sie im Management einer Spedition tätig. Davor hat sie u. a. in einer Firma gearbeitet, die für die öffentliche Verwaltung Aufträge übernommen hat. Sie ist fit im Umgang mit dem PC und vielen Programmen.

Ibraheem Alrihaymee trug als Ingenieur bzw. Programmierer hohe Verantwortung für eine Erdölpipeline, die Angriffsziel rebellischer Milizen werden sollte. Als er denen seine Unterstützung verweigerte, geriet die Familie in Lebensgefahr. Einziger Ausweg war die Flucht über Tunesien nach Deutschland.

Arbeitgeber sollten Mut haben

Luckenwalde ist zu einer zweiten Heimat geworden, auch wenn der Start hier alles andere als einfach war. Zu Hause hatte man ein komfortables Heim, dann der Neubeginn in der Gemeinschaftsunterkunft. Daran erinnert sich vor allem Raida Albajekni nur sehr ungern. Zu viert in einem Zimmer, kein eigenes Bad, keine eigene Küche, keine Privatsphäre…

Mittlerweile ist das anders. Die Familie lebt in einer eigenen Wohnung in Luckenwalde, der Aufenthalt ist vorerst genehmigt und damit eine Arbeitserlaubnis erteilt. "Jetzt müssten sich nur noch Arbeitgeber finden, die den Mut haben, Flüchtlinge zu beschäftigen", meint die Integrations- und Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, Christiane Witt.

Voneinander profitieren

Sie weiß, dass man gegenseitig voneinander profitieren würde. Ihr ging es nicht anders – sie hat Raida Albajekni während ihres Praktikums in der Kreisverwaltung betreut.

"Ich habe unendlich viel über andere Kulturen erfahren, völlig neue Dinge gehört und bin sehr froh, dass ich Raida und ihre Familie kennenlernen durfte. Diese Erfahrungen wären ganz sicher auch für Unternehmen der Region wertvoll", so die Fachfrau.

Sie ist auch beeindruckt davon, dass beide Kinder inzwischen ein fast akzentfreies Deutsch sprechen. Ihad ist so gut in der Schule, dass er im neuen Schuljahr auf das Gymnasium wechseln kann.

Dankbar für gute Unterstützung

Raida Albajekni spricht von vielen „ganz, ganz lieben Leuten“, die ihr und der Familie geholfen haben. So konnte sie nicht nur die deutsche Sprache lernen, sondern auch erfahren, wie die Menschen hier miteinander umgehen oder kommunizieren.

Ihren Mann Ibraheem haben vor allem die klaren „Spielregeln“ hier in Deutschland beeindruckt. Die gäbe es in Libyen zwar auch, aber sie würden nicht immer ernst genommen. „Es ist ein gutes Gefühl, Recht zu bekommen und frei zu sein“, betont er.

Vorurteile abbauen

Bleiben Wünsche offen? Selbstverständlich. In erster Linie der nach Arbeit, denn „wir wollen nicht nur nehmen, sondern auch geben“, so Raida.

Und sie hofft, dass Vorurteile gegen Flüchtlinge, die in den Köpfen mancher Menschen existieren, kleiner werden oder gar verschwinden. Auch deshalb hat die Familie den Weg in die Öffentlichkeit gesucht.

Kontakt

Landkreis Teltow-Fläming

Name
Frau Christiane Witt
Position
Gleichstellungs- und Integrationsbeauftragte
Structure
Büro für Chancengleichheit und Integration
Room
B4.1.05
Anschrift
Am Nuthefließ 2
14943 Luckenwalde
Telefon
(03371) 608-1085
Telefax
(03371) 608-9000
Website
www.teltow-flaeming.de

Sprechzeiten

Sprechzeiten
Di. 9 bis 12 und
13 bis 15 Uhr
Do. 9 bis 12 und
13 bis 17.30 Uhr