7000 Jahre altes Fundstück

Kreisarchäologe Dr. Stefan Pratsch zu einem Zufallsfund aus der Jungsteinzeit
Datum: 17.09.2013
Das jungsteinzeitliche Fundstück, hier im Größenvergleich. | Foto: Landkreis TF

Was kann man bei Arbeiten im Vorgarten des Hauses finden? Bärbel Morling aus Neuhof – einem Ortsteil von Jüterbog – fiel im Frühjahr 2012 ein dunkles Steinfragment mit einem scharfen Grat auf.

Sie verwahrte das Stück und verglich es mit steinzeitlichen Objekten im Jüterboger Stadtmuseum. Vor zwei Wochen übergab sie den Fund zur wissenschaftlichen Untersuchung an die untere Denkmalschutzbehörde des Landkreises Teltow-Fläming.

Bruchstück eines Artefakts

Die bisherigen Untersuchungen zeigten, dass es sich wahrscheinlich um das Bruchstück eines 7000 Jahre alten Artefaktes aus der Jungsteinzeit handelt. Es ist 4,5 cm breit, 11,5 cm lang und 340 Gramm schwer.

Erhalten ist ein Teil der Schneide und die seitliche Partie mit einem durch Schliff hergestellten Grat. Er weist einen Winkel von 65 Grad auf, was eine Entstehung durch Windschliff ausschließt. Gegenüber der Schneide liegt eine moderne Bruchfläche, so dass das passende Fragment noch gefunden werden könnte.

Die andere Seitenpartie ist schon viel früher ausgebrochen. Die Bruchkante ist verrundet, was auf eine Weiternutzung des Stückes als Keil hindeutet. Ursprünglich handelte es sich um ein 8 bis 9 cm breites und mehr als 30 cm langes Gerät aus Felsgestein. Ob dieses ein Schaftloch besaß, muss derzeit offen bleiben.

Einordnung in die Regionalgeschichte

Wie lässt sich der Fund in die Regionalgeschichte einordnen? Ab ca. 5500 vor Christus entstanden erste dorfartige Siedlungen auf dem Fläming. Ausschlaggebend dafür waren Böden mit einem guten Speichervermögen für Niederschlagswasser, der Holzreichtum und die Nuthe-Niederung.

Nach und nach setzte sich eine agrarische Wirtschaftsweise mit Ackerbau und Viehzucht durch. Andere technische Neuerungen, wie die Töpferei, der Steinschliff und astronomische Beobachtungen hielten schon eher Einzug.

Trotzdem spielte die Jagd auf Wildtiere und das Sammeln von Wildfrüchten weiterhin eine große Rolle. Mit der Anlage von Feldern hatten die Bauern von damals wie ihre heutigen Nachfahren mit Ernteschäden durch Wildtiere und Vogelschwärme zu kämpfen. Auch Erosion durch Wasser und Wind war damals ein Thema bei der Wahl von Siedlungsplätzen.

Fundstück wird weiter untersucht

Der kleine, aber bedeutende Fund aus Neuhof ist Teil unserer Kulturgeschichte. Nun wird das Fragment im Archäologischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseum weiter untersucht. Die Finderin – Frau Morling – freut sich darüber und erhielt als Dank das aktuelle Jahrbuch der Archäologischen Gesellschaft in Berlin und Brandenburg.

Vielleicht haben Sie auch einen bemerkenswerten Fund zu Hause und möchten wissen, wie alt er ist? Sie können sich bei der Unteren Denkmalschutzbehörde melden – Ansprechpartner ist Kreisarchäologe Dr. Stefan Pratsch, Tel. (03371) 6608-3607, E-Mail stefan.pratsch@teltow-flaeming.de

Kontakt

Landkreis Teltow-Fläming

Name
Herr Dr. Stefan Pratsch
Position
Kreisarchäologe
Structure
Untere Denkmalschutzbehörde
Room
A5.2.13
Anschrift
Am Nuthefließ 2
14943 Luckenwalde
Telefon
(03371) 608-3607
Telefax
(03371) 608-9160
Website
www.teltow-flaeming.de

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