Grundwassernutzung in TF

Untere Wasserbehörde informiert über Start des Grundwasser-Bilanzierungsmodells (BiMo TF) - Nachhaltigkeit im Fokus
Datum: 14.12.2015

Wassernot im Fläming?

In Landwirtschaft und Gartenbau wird viel Wasser benötigt. | Foto: feraugustodesign/CC0/pixabay

Zu trocken und zu warm – so jedenfalls werden viele von uns, zumindest gefühlt, 2015 in Erinnerung halten. In solchen Jahren zeigt sich immer wieder deutlich der Bedarf an Wasser für die Zusatzberegnung von Gärten und landwirtschaftlichen Kulturen.

So war es auch 2015. Insgesamt wurden durch die Untere Wasserbehörde 15 Wasserrechte vergeben, die zur Nutzung von weiteren ca. 900.000 Kubikmeter Grundwasser pro Jahr (m³/a) im Kreisgebiet berechtigen. Nur allein diese Menge klingt beachtlich. Umgerechnet sind das immerhin 22.500 große Satteltanklastzüge.

Hinsichtlich solcher Zahlen wird die Untere Wasserbehörde immer wieder mit der Befürchtung konfrontiert: „Die Landwirte pumpen uns den Fläming oder gar den ganzen Landkreis leer“.

Software überwacht Entnahmemengen

Um sicherzustellen, dass eben diese Befürchtungen im Reich der Legenden bleiben, rüstete die Untere Wasserbehörde fachlich auf und schaffte eine Software an – das Grundwasserbilanzierungsmodell (BiMo TF).

Diese Software wurde an die speziellen klimatischen und hydrogeologischen Verhältnisse im Landkreis angepasst. Sie berücksichtigt die oberflächigen naturräumlichen Bedingungen, zum Beispiel Landnutzung und Bodenverhältnisse. Unter Berücksichtigung dieser Verhältnisse wird die Grundwasserneubildung berechnet. Der Landkreis ist dabei in zehn unterirdische Grundwassereinzugsgebiete aufgeteilt. Die Berechnung erfolgt je Einzugsgebiet.

Im Programmhintergrund kennt die Software jedes im Landkreis erteilte Grundwasserentnahmerecht. Über die Lagepunkte auf einer Karte werden die Rechte den einzelnen Einzugsgebieten zugeordnet. Über die erlaubte Menge berechnet die Software dann die Differenz zwischen der durch die Grundwasserneubildung zur Verfügung stehenden Wassermenge und den bisher erlaubten Entnahmemengen. Hier ist alles berücksichtigt – Wasserwerke, gewerbliche und größere private Entnahmen sowie landwirtschaftliche Beregnungen. Ergebnis ist, was dann noch je Einzugsgebiet zur Verfügung steht („übrig bleibt“) – klingt einfach.

Grundwasser - keine unendliche Ressource

Bei der Grundwasserneubildung handelt es sich lediglich um jenen Teil des Grundwassers, der jedes Jahr erneuert wird. Ohne eine Nutzung würden sehr große Anteile dieser Menge den Weltmeeren wieder zufließen. Man spricht hier von den dynamischen Vorräten.

Grundwasser, das sich bereits im Leitersystem befindet – und zwar teilweise schon sehr lange – bezeichnet man als stationären Vorrat. Das kann man mit einer gefüllten, unsichtbaren, unterirdischen Badewanne vergleichen. Diese stationären Vorräte dürfen nicht angetastet werden. Für eine Grundwassernutzung stehen nur die dynamischen Vorräte zur Verfügung. Daher berücksichtigt die Software nur den Anteil der Grundwasserneubildung, also den dynamischen Vorrat.

Auch die Natur mit ihren vielfältigen Ökosystemen bedient sich nahezu ausschließlich von der Grundwasserneubildung. Entscheidet man über die Nutzung von Grundwasser, ist also zwingend dafür Sorge zu tragen, dass der Natur weiterhin ein ausreichender Anteil an Grundwasserneubildung zur Verfügung steht. Aus diesem Grund sind 30 Prozent der Grundwasserneubildung für eine Nutzung ebenfalls tabu.

Nachhaltige Nutzung im Blick

Karte der Grundwassereinzugsgebiete in TF - zum Vergrößern anklicken | Foto: Landkreis TF

Der Ansatz der Nachhaltigkeit rückte in den letzten Jahren immer mehr in den Fokus – gerade auch bei Umweltthemen. Schenkt man den düsteren Prognosen der Klima- und Klimafolgenforschung Glauben, wird die Grundwasserneubildung in Brandenburg in den kommenden 100 Jahren um die Hälfte zurückgehen. Um diesen schlimmsten Fall heute bereits teilweise abzubilden, wird der nun verbleibende nutzbare Teil der heutigen Grundwasserneubildung von 70 Prozent noch einmal um die Hälfte verringert. Das verstehen wir als Daseinsvorsorge für nachfolgende Generationen.

Für die Grundwasserentnahme sind damit bereits heute nur 35 Prozent der derzeitig insgesamt zur Verfügung stehenden Grundwasservorräte für eine Nutzung zugelassen - nur im Landkreis Teltow-Fläming. Diese Randbedingungen berücksichtigt die neue Software (BiMo TF) ebenfalls.

Umweltverträglichkeit wird geprüft

Hat nun die Untere Wasserbehörde über einen neuen Antrag zur Grundwasserentnahme zu entscheiden, reicht es aus, per Mausklick den Standort dieser Entnahme festzulegen und die beabsichtigte Grundwassermenge im Programm einzutragen. Sofort berechnet BiMo TF, ob diese zusätzliche Entnahme in dem betreffenden Einzugsgebiet aus Sicht der Bilanz noch möglich ist oder nicht und gibt darüber ein Protokoll aus. Dies ist sowohl für den Bearbeiter, den Antragsteller als auch für die Umwelt ein unschätzbares Hilfsmittel.

Ungeachtet dessen steht ein Antrag jedoch noch vor weiteren Hürden. Jeder Einzelstandort muss für sich bewertet werden. Nahezu immer ist eine Prüfung nach dem Gesetz über die Umweltverträglichkeit nötig.

TF nicht auf dem Trockenen

Brunnen im Wasserwerk Jüterbog | Foto: Landkreis TF

Vom zur Nutzung im Landkreis zugelassenen Anteil der Grundwasserneubildung wird heute lediglich ca. ein Drittel durch vergebene Wasserrechte beansprucht. Die Spanne je Einzugsgebiet reicht dabei von Null im Einzugsgebiet Spree bis 64 Prozent im Einzugsgebiet Nuthe-Nord-West.

Das heißt, das von ca. 91.000.000 Kubikmetern Grundwasser, das für die Entnahme in TF zugelassen ist, gegenwärtig ca. 33.000.000 Kubikmeter (ca. 35 Prozent) genutzt werden.

Von einem Leerpumpen des Flämings oder gar des Landkreises kann also nicht die Rede sein. Auch der Naturschutz muss sich bei dem von der Unteren Wasserbehörde gewählten Ansatz nicht um seine Schutzgüter und -ziele sorgen.

 

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Sachgebietsleiter
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