Denkmal des Monats

Luckenwalde, Puschkinstraße 28: ehemalige Synagoge
Datum: 15.06.2017

Die heutige Neuapostolische Kirche in der Puschkinstraße wurde 1897 als Synagoge der Jüdischen Gemeinde in Luckenwalde gebaut. Die schnell anwachsende Jüdische Gemeinde erhielt 1897 vom Hutfabrikanten Moritz Hermann ein Grundstück in der Carlstraße 38 (heute Puschkinstraße) geschenkt. Die beiden jüdischen Unternehmen der Gebrüder Herrmann gehörten als Tuchmacher- und Hutfabrikationen zu den bedeutenden Betrieben der Stadt.

Eine eigenständige Synagogengemeinde konstituierte sich in Luckenwalde offiziell im Jahre 1869. Die Gründungsmitglieder setzten sich aus 15 Kaufleuten, 5 Fabrikanten und 3 Ärzten und Rechtsanwälten zusammen.

Neugotischer Stil

ehemalige Synagoge in Luckenwalde mit Gedenkstele | Foto: Landkreis TF

Die in ihrer Grundstruktur erhaltene Anlage gliedert sich in einen zweigeschossigen, traufständigen Vorderteil zu Straße hin, der Gemeinderäume beherbergt und den rückwärtigen Synagogensaal. Vorhanden ist noch dessen Holzdecke mit Oberlicht. Der Blickfang der neugotischen Fassade ist symmetrisch gegliedert mit der Eingangstür im Mittelrisalit und darüber einem Erker mit Treppengiebel und Spitzbogenblenden. Daneben erfolgt durch dunkelgrün glasierte Ziegel eine Gliederung der roten Ziegelfassade. Der helle Fries ist eine dem Original nachempfundene Rekonstruktion.

Zerstörung und Verfolgung während der Nazidiktatur

Im Zuge des Novemberpogroms wurde das Gebäude vor allem im Inneren verwüstet, aber nicht zerstört, sodass die ehemalige Synagoge in ihrem Äußeren bis heute nahezu unverändert erhalten geblieben ist.
Im Frühjahr 1939 musste das Synagogengebäude an die Stadt Luckenwalde veräußert werden. Die jüdischen Mitbürger, die als Fabrikanten zum Aufschwung der Stadt wesentlich beigetragen hatten, verschwanden zumeist in der Deportation. Ende des Jahres 1939 lebten in Luckenwalde nur noch 18 Juden, meist ältere Menschen.

Auseinandersetzung mit der Vergangenheit

Die Stadt Luckenwalde hat sich bereits vor Jahren diesem Kapitel ihrer Geschichte zugewandt.
Der ehemalige Pfarrer Detlef Riemer erstellte ein Verzeichnis der Juden in Luckenwalde. 2009 wurden in Anwesenheit des israelischen Botschafters Yoram Ben-Zeev die ersten „Stolpersteine“ verlegt und weitere folgten.
Anlässlich des 50. Jahrestages des Novemberpogroms wurde am Gebäude der einstigen Synagoge eine Gedenktafel enthüllt, die folgende Inschrift trägt:
Dieses Haus, 1897 erbaut als Synagoge, war Zeuge des Unrechts, das jüdische Mitbürger unter der faschistischen Diktatur erleiden mussten.

Kontakt

Landkreis Teltow-Fläming

Name
Frau Dr. Rita Mohr de Pérez
Position
Sachgebietsleiterin
Structure
Untere Denkmalschutzbehörde
Room
A5.2.14
Anschrift
Am Nuthefließ 2
14943 Luckenwalde
Telefon
(03371) 608-3608
Telefax
(03371) 608-9160
Website
www.teltow-flaeming.de

Sprechzeiten

Sprechzeiten
Mo. nach Vereinbarung
Di. 9 bis 12 und
13 bis 15 Uhr
Do. 9 bis 12 und
13 bis 17.30 Uhr
Fr. nach Vereinbarung

Am 31. Mai, 4. Oktober und 23. Dezember 2019 ist die Kreisverwaltung für Publikumsverkehr geschlossen (Brückentage).