Tag der Logistik 2018

Vielfältige Jobs mit Zukunft - Berufsorientierung im GVZ Großbeeren
Datum: 25.04.2018
Interessante Erfahrungen konnten die Schülerinnen udn Schüler bei Ihrem Besuch im GVZ Großbeeren machen. | Foto: Gerald Bornschein

Großbeeren - Es war schon die erste logistische Meisterleistung, rund 110 Schüler und Schülerinnen aus sechs Schulen des Landkreises am Morgen pünktlich nach Großbeeren zu bringen und sie anschließend in Unternehmen des hiesigen Güterverkehrszentrums (GVZ) zu verteilen. Doch zunächst begrüßt Uwe Fischer, stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde, die Jugendlichen zum Tag der Logistik mit Freude darüber, welches Interesse das GVZ hervorruft. „Lassen Sie sich überraschen von der Vielfalt, die es dort inzwischen gibt“, empfiehlt er und wünscht sich, dass der eine oder andere heute seinen künftigen Arbeitsplatz findet.

Insgesamt 14 Branchenunternehmen beteiligen sich in diesem Jahr an der Aktion, bei der Logistikberufe live vorgestellt werden. Jeder Schüler lernt an diesem Tag zwei davon näher kennen. Agata Riehm von der Wirtschaftsförderung des Landes Brandenburg GmbH (WFBB) hat die Veranstaltung in Zusammenarbeit mit Kerstin Borngräber vom Landkreis Teltow-Fläming und weiteren Partnern organisiert. „Schaut Euch gut um und stellt Fragen“, fordert sie auf.

Extrem viel zu tun gibt es momentan bei der Komm Logistik GmbH, berichtet  Geschäftsführer Sebastian Komm. Es ist Frühling, die Kunden bestellen Fahrräder, Pflanzen oder Gartenmöbel  - und die Lager- und Transportlogistiker merken das sofort. Nach einem Ausflug in die Unternehmensgeschichte – der erste Auftrag seines Großvaters Fritz Komm war 1945 der Transport von Flüchtlingen – erklärt er, wie heute beispielsweise eine Kabeltrommel von Berlin nach Konstanz kommt. Mit 32 eigenen Lkw und 40 Subunternehmern werden täglich 130 bis 150 Tonnen pro Tag transportiert.

Wenn man bei Komm Logistik arbeiten will, muss man sich zwischen Büro- oder handwerklicher Arbeit entscheiden: Das erste wären Speditionskaufleute, das andere Berufskraftfahrer(-innen) oder Fachkräfte für Lagerlogistik. Auch spätere Weiterbildungen oder ein Studium werden vom Unternehmen unterstützt, Sebastian Komm empfiehlt jedoch, mit einer Ausbildung zu beginnen. Ob das ein Job mit Zukunft sei, kann er nur bejahen: „Erst wenn Sendungen gebeamt werden können, müssen wir uns ein neues Geschäftsmodell überlegen.“

Eiskalt ist es bei der TEMPLOG Berlin GmbH, denn die Nordfrost-Tochter ist Spezialist für temperaturgeführte Logistik. Man kann sich das vorstellen wie ein Parkhaus, allerdings mit der Sensibilität für Lebensmittel, meint Niederlassungsleiter Arndt Rotzen. Im Bereich der Konfektionierung herrschen Kühlschranktemperaturen, hier dürfen die Jugendlichen selbst Hand anlegen. Eisgekühlte Drinks, die sortenrein in Kartons angeliefert werden, müssen in je fünf Varianten gemixt in Umverpackungen sortiert werden. Strohhalme und Flyer dazu, fertig und - nächste Packung.

Im Tiefkühlbereich herrschen minus 22 Grad, da versagt sogar der Kugelschreiber des Reporters. In dicke Jacken und Mützen gehüllt muss beispielsweise die Wareneingangskontrolle nach Mengen oder Mindesthaltbarkeitsdatum erfolgen. Kunden sind Supermärkte oder Haustür-Tiefkühllieferdienste. „Kälte ist unser Geschäft“, sagt Arndt Rotzen – und „Ich freue mich über jede Bewerbung!“

Rund 200 Beschäftigte sind bei der Lekkerland Deutschland GmbH & Co. KG allein am Standort Großbeeren mit Lagerung, Warenzusammenstellung und Lieferung von Convenience-Produkten befasst. Auch hier gibt es ähnliche Kältebereiche, für die Mitarbeiter stellt das Unternehmen Pullover, Westen und sogar Thermounterwäsche bereit. Die Azubis Michael Völker und Pascal Swietlik zeigen, was sie als künftige Fachkräfte für Lagerlogistik zu tun haben. Superfrisch und passgenau müssen Sandwiches, Räucherlachs Salat oder Würste ohne Beschädigung in einer Box kommissioniert werden. Devon Schröder von der Oberschule Trebbin wagt den Test und macht es gut, nicht nur seine Tetris-Erfahrungen halfen ihm dabei.

Bevor Niederlassungsleiter Jan Dierks zum Gruppenfoto vor der Halle bittet (im Lager dürfen mit Rücksicht auf die Kunden keine Aufnahmen gemacht werden), können die Jugendlichen noch Fragen stellen. Susann Schulz hat vor acht Jahren ihre Ausbildung zur Kauffrau im Groß- und Außenhandel bei Lekkerland begonnen, heute ist sie Abteilungsleiterin Innendienst. Die Übernahmechancen und Aufstiegsmöglichkeiten der Azubis sind also sehr gut.

Das gilt auch bei der Emons Spedition GmbH, allerdings ist Eigeninitiative und Motivation gefragt, kann Speditionsleiter Michael Nätsch aus eigener Erfahrung berichten. Er hatte vor neun Jahren als Praktikant bei Emons gearbeitet und war später der Wunschkandidat des Inhabers. Mit weltweit 90 Standorten, davon 24 in Deutschland, bewegt das 1928 gegründete Familienunternehmen vor allem Sammel- und Stückgut von 30 Kilogramm bis drei Tonnen Gewicht.

In Ausbildung wird seit langem viel und intensiv investiert, 2016 wurde die Emons Spedition als TOP-Ausbildungsbetrieb geehrt. Neben Speditionskaufleuten und Lagerlogistikern werden auch eigene Berufskraftfahrer herangezogen. Diese Ausbildung ist sehr technikorientiert und man sollte körperliche Arbeit mögen, sagt Michael Nätsch. Kenntnisse in Geografie und beim Kartenlesen sind von Vorteil. „Wie sich Erdplatten verschieben, ist nicht ganz so wichtig, aber wo sich welche Länder in Europa befinden schon.“ Mit einer eigenen Akademie werden auch Weiterbildungen, z. B. als Meister unterstützt. Beim Beladen eines LKW mit unterschiedlichen Gütern und der Sicherung der Ladung durften sich die Jugendlichen dann auch praktisch betätigen, was ihnen richtig Spaß machte.

„Der Tag ist gut gelaufen“, fasst Organisatorin Agata Riehm zusammen, „hoffentlich gibt es viele Bewerbungen“. Zufrieden äußern sich auch viele begleitende Lehrerinnen und Unterstützerin Gudrun Heilmann vom Institut für Talententwicklung findet, die Unternehmen waren gut vorbereitet. Auch das Fazit von Kerstin Borngräber lautet: „Ein super Tag!“

(Text und Foto: Gerald Bornschein)

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