Teutsch und Jacob in Wünsdorf

Bis 12. Mai 2019: Neue Galerie zeigt "Unspektakuläre Bilder" und "Plastische Miniaturen" - Künstlergespräch am 5. Mai 2019
Datum: 03.04.2019

Hannelore Teutsch : „Augenblicke – Unspektakuläre Bilder“
Reinhard Jacob: „Arbeiten zur Architektur – Plastische Miniaturen“

Ausstellung vom 30. März bis 12. Mai 2019
Donnerstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr, auch an den Feiertagen

Künstlergespräch zum „Tag des Offenen Ateliers“am Sonntag, 5. Mai, 14 bis 17 Uhr.

Hannelore Teutsch und Reinhard Jacob

„Das Künstlerpaar Hannelore Teutsch und Reinhard Jacob hat seine Werkauswahl für die Ausstellung in der Neuen Galerie mit dem Titel „Augenblicke“ überschrieben. Dieser schillernde Begriff steht eigentlich für eine kurze Aufmerksamkeitsspanne, für ein kurzes Verweilen des Blicks auf einer Person, einem Gegenstand, einem Kunstwerk. 

Die Begegnung mit den Bildern der Malerin Hannelore Teutsch und den Skulpturen, bauplastischen Arbeiten und alchemistischen Farbentwürfen Reinhard Jacobs jedoch führt immer zu einer längeren Verweildauer, da der erste Augenblick sogleich zu fesseln vermag: Er zieht den Blick der Betrachtenden hinein in die fesselnden Bild-, Form- und Farbwelten, schließt sie auf für die nur scheinbar realistischen Gegenstände und Themen, deren besonderes, zuweilen sogar magisches Potential schnell offenbar wird. Es mögen vielleicht unspektakuläre Themen und Gegenstände sein, unspektakuläre Bilder sind es mit Sicherheit nicht, denn sie sind stets gut gemalt und gekonnt gestaltet.

Surreale Bildwirklichkeit

Die zeichnerisch und atmosphärisch genau erfassten Stillleben, Landschaften und Stadtbilder, vielfach mit agierenden Personen bestückt, die ihre Herkunft – z. T. aus den Tiefen der Kunstgeschichte – nicht auf den ersten Blick preiszugeben pflegen, laden zum Verweilen, Schauen und Deuten ein. Auf eine leise-ironische Weise werden häufig Orte oder Dinge mit einzelnen Elementen zusammengebracht, die augenscheinlich nicht zusammen gehören, aber doch zu einer ganz eigenen surrealen Bildwirklichkeit verschmolzen werden.

Schönheit aus Materie

Das gilt auf eine andere Weise auch für die farbigen Entwürfe Reinhard Jacobs, auch hier wird aus Materie, – aus dem Material – Schönheit, die es zu entdecken und erkunden gilt. Der Künstler selbst versteht dies als einen alchemistischen Akt, und in der Tat lassen die Spuren edler Materialien wie Gold und Purpurfarben in ihren Kombinationen und in ihrer Formgebung an die historischen Versuche etwa der Goldmacher denken, deren Experimente zu neuen Materialien wie dem Porzellan geführt hatten.

Genau beobachtend, wach und kritisch

Beide Künstler sind genau beobachtende, wache und kritische Zeitgenossen, in deren Werke die Auseinandersetzung mit Prozessen der Gegenwart, mit Literatur und Kunst stets einfließen, auch wenn dies vielleicht erst auf den zweiten Blick und in der für beide so typischen humorvollen Brechung erkennbar wird, sei es innerhalb der Arbeiten selbst, sei es in der Entwicklung der Bildtitel. Genau diese Vielschichtigkeit aber lässt die Werke zu einem besonderen Kunstgenuss werden, zu Kabinettstücken im historischen Sinn des Wortes: kleinformatige Arbeiten, die den Kenner durch Virtuosität, Leichtigkeit und Witz zum Liebhaber machen und ihm dadurch besondere Augenblicke (!) ermöglichen.“

PD Dr. Annette Dorgerloh, Humboldt-Universität zu Berlin

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