Sensationsfund aus der Steinzeit

7000 Jahre alte Geweih-Axt in Woltersdorf entdeckt
Datum: 10.09.2020

Im Juli 2020 sammelten Mitglieder der Umweltgruppe „Luckenwalde.Lebendig.Gestalten!“ Müll aus der Nuthe in Woltersdorf. Dabei fiel Ralf Eyssen ein Gegenstand auf, der zuerst wie ein hölzerner Ast aussah. Erst bei näherer Betrachtung erkannte er, dass es sich um ein Werkzeug aus Geweih handelte. Deutlich erkennbar waren die Perlung der Oberfläche und ein künstlich geschaffenes Loch in der Mitte des Gerätes.

Noch am Tag des Auffindens informierte er die Untere Denkmalschutzbehörde über den Fund. Dafür gilt ihm ein großer Dank!

Eine erste Begutachtung durch den Kreisarchäologen Dr. Stefan  Pratsch ergab, dass es sich tatsächlich um einen Sensationsfund aus der Steinzeit handelt.

Geweihäxte | Foto: Landkreis TF

Am Ende der mittleren Steinzeit, ab dem 6. Jahrtausend vor Christus, stellte man aus großen Geweihstangen vom Rothirsch Äxte her. Von der Geweihstange wurden die Basis und die Krone abgetrennt, dann entfernte man den Mittelspross. Durch den Ansatz des Sprosses wurde ein Loch gebohrt und später ein Holzstiel darin arretiert. Am unteren Ansatz der Stange wurde eine schräge Schneide angelegt. Die fertige Axt mit Stiel hat eine typische T-Form und wird von Experten als T-Axt bezeichnet.

Solche Geweihäxte fertigten auch die ersten Bauern der frühen Jungsteinzeit an. Danach erst stellte man Äxte aus Felsgestein her. Damit konnte man wesentlich kräftigere Arbeiten ausführen, ohne dass das Gerät zerbrach.

Schneide der Geweihaxt | Foto: Landkreis TF

Die steinzeitliche T-Axt aus Woltersdorf ist fast komplett erhalten; nur ein kleiner Teil der Schneide ist durch den Gebrauch ausgebrochen. Das Werkzeug ist 21 cm lang, 6 cm breit und wiegt 375 Gramm. Das ovale Schaftloch misst etwa 2,5 mal 2 cm. Wofür die Geweihaxt in der Steinzeit verwendet wurde, lässt sich erst nach weiteren Untersuchungen aussagen.

Anhand völkerkundlicher und spurenkundlicher Untersuchungen wird vermutet, dass die Geweihäxte ähnlich den Tomahawks der nordamerikanischen Ureinwohner auf vielfältige Weise eingesetzt wurden. Mit dem stumpfen Ende am Nacken ließen sich Felle und Leder weich klopfen. Mit der Schneide konnten die steinzeitlichen Jäger verletzte Tiere töten sowie Holz und andere Materialien bearbeiten.

Es ist ein Glücksfall, dass sich die Geweihaxt über mehr als sieben Jahrtausende erhalten hat. Für die gute Konservierung ist nicht nur die Lage unter Wasser verantwortlich. In der umgebenden Torfschicht muss der pH-Wert fast neutral sein, um solch einen Fund zu konservieren. Im gesamten Land Brandenburg gibt es nur etwa fünf Fundstellen, von denen steinzeitliche Geweihäxte erhalten sind.

Das Fundstück aus Woltersdorf soll nun wissenschaftlich untersucht und mittels der Radiokarbonmethode datiert werden.

Kreisarchäologe Dr. Stefan Pratsch und Beigeordnete Dietlind Biesterfeld präsentierten den Fund und Vergleichsobjekte bei einem Pressegespräch am 10. September 2020 | Foto: Landkreis TF

Dietlind Biesterfeld, Beigeordnete und als Dezernentin auch zuständig für die untere Denkmalschutzbehörde, zeigte sich beeindruckt vom Fund: "Er ist ein Tor in die Vergangenheit und verbindet die Menschen, die vor 7000 Jahren an diesem Ort gelebt haben, mit denen, die heute hier zuhause sind." Sie wünscht sich genauso wie der Finder Ralf Eyssen, dass die Geweihaxt nach der Begutachtung durch das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologische Landesmuseum ihren Weg zurück nach Luckenwalde, ins Heimatmuseum, findet.

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