Interessenbekundungsverfahren

Betrieb einer Einrichtung zur Inobhutnahme und Heimerziehung - Teilnahmeerklärung bis 31. März 2021
Datum: 17.02.2021

1. Anlass des Interessenbekundungsverfahrens

Im Landkreis Teltow-Fläming wurde bis zum November 2020 ein Krisennotdienst mit Rufbereitschaft außerhalb der Öffnungszeiten des Jugendamtes durch einen freien Träger der Jugendhilfe vorgehalten.
Das MBJS hat mit Schreiben vom 11. Juni 2020 die Träger der öffentlichen Jugendhilfe informiert, dass die bisherige Handlungsempfehlung zur Inobhutnahme ihre Gültigkeit verliert und eine Übertragung hoheitlicher Aufgaben an einen freien Träger der Jugendhilfe bei der Inobhutnahme im Rahmen der Rufbereitschaft außerhalb der Dienstzeiten des Jugendamtes nicht mehr möglich ist.

Dem folgend sieht das Jugendamt des Landkreises Teltow-Fläming den Bedarf und die Notwendigkeit für eine Neuausrichtung seiner Aufgabenwahrnehmung zur Inobhutnahme im Landkreis. Gesucht wird deshalb eine stationäre Einrichtung  mit 6 Plätzen für Inobhutnahmen nach § 42 und § 42a SGB VIII mit einem Clearingangebot für unbegleitete minderjährige Ausländer (umA) sowie 6 Plätzen für ein Heimangebot nach § 27 i. V. m. § 34 SGB VIII für Kinder und Jugendliche für den Zeitraum, in welchem für diese eine geeignete Einrichtung der Jugendhilfe gesucht wird.
Eine Erkundung des Bewerberkreises wird mit dem Ziel durchgeführt, für den Landkreis Teltow-Fläming einen geeigneten Vertragspartner zu finden, dem auf der Grundlage einer Gesamtkonzeption anschließend ein Vertragsangebot unterbreitet werden kann.

Als Vertragsbeginn wird der 01.06.2021 angestrebt.

2. Folgende Leistungen werden erwartet:

Gruppe A – Inobhutnahme mit zusätzlichem Clearingangebot für umA/3 bis 17 Jahre

  • Gefahrenabwehr
  • Gewährleistung von Schutz
  • Unterbringung und materielle Grundversorgung (Essen, Schlafen, Köperpflege)
  • Schaffen von Entlastung durch Sicherheit, Ruhe und Zeit
  • Gewährleistung emotionaler Zuwendung
  • Versorgung und Verpflegung der aufgenommenen Jugendlichen
  • Sicherstellung der allgemeinen Gesundheitsversorgung
  • Planung und Einhaltung eines festen Tagesablaufes, welcher mit den Jugendlichen erarbeitet wird
  • Problemerfassung und Beratung
  • Gespräche:
    • zur aktuellen Situation
    • Zur Entlastung
    • zur Entwicklung von Perspektiven
    • in Krisensituationen, ggf. unter Einbeziehung von anderen Fachkräften

Unmittelbar nach Beginn der Inobhutnahme eines unbegleiteten minderjährigen Ausländers beginnt das Clearingverfahren für den umA mit dem Ziel der Entwicklung einer umfangreichen systemisch- und ressourcenorientierten Diagnostik sowie einer individuellen Lebensperspektive.

Leistungsumfang bei der Durchführung eines Clearings durch die Einrichtung im Rahmen der Inobhutnahme:

  • Erstellung einer ergänzenden Sozialanamnese (familiäre, ökonomische und soziale Lebensumstände/Hintergründe, ethnische Zugehörigkeit, Bildungs- und Entwicklungsstand, bisherige Lebenserfahrungen, Fluchtgründe, -wege und -erfahrungen, Rückkehroptionen)
  • Altersfeststellung
  • Analyse von Ressourcen, Fähigkeiten und Begrenzungen
  • Feststellung des Förderbedarfs (erzieherische Jugendhilfebedarfs)
  • Eröffnung von Bildungsperspektiven, Klärung einer weiteren geeigneten Beschulung/Ausbildung im Anschluss
  • Erarbeitung einer Perspektive, Prüfung, Entwicklung von Vorschlägen zur Problemlösung bzw. mögliche Anschlusshilfen (z.B. Jugendhilfeeinrichtung, Vollzeitpflege)
  • Fall-Dokumentation entsprechend einem einheitlichen Dokumentationssystem, Dienstplandokumentation

Gruppe B – Hilfe zur Erziehung in einer Einrichtung über Tag und Nacht/3 bis 18 Jahre

  • Unterbringung und materielle Grundversorgung (Essen, Schlafen, Köperpflege)
  • Gewährleistung transparenter, verlässlicher Strukturen und Regeln
  • partnerschaftlich-demokratischer Erziehungsstil
  • Bezugsbetreuung
  • systemische Beratung
  • Ressourcenorientiertes Arbeiten
  • Gesprächsangebote, Reflexionsgespräche (z.B. Tagesreflexion, Tagebuch)
  • Unterstützung/Begleitung im Alltag, um Lernerfolge/Erfolgserlebnisse zu ermöglichen
  • Integration in alltägliche Abläufe
  • Begleitung/Förderung im schulischen Bereich
  • Begleitung bei Wechsel in eine andere stationäre Jugendhilfeeinrichtung oder andere Form der Hilfe zur Erziehung

Der Inhalt des Leistungsangebotes ist in einer Konzeption und Leistungsbeschreibung, getrennt nach den Gruppen, vollumfänglich darzustellen.

3. Vertragspartner

Zur Durchführung und Erfüllung dieser Aufgabe ist in besonderer Weise Fachkunde, Eignung und Erfahrung eines Jugendhilfeträgers im Bereich der sozialpädagogischen Krisenintervention geboten.

4. Ort der Leistungserbringung

Das Angebot zum Betrieb der Einrichtung zur Inobhutnahme und Heimerziehung soll in der Stadt Luckenwalde vorgehalten werden. Vom Landkreis Teltow-Fläming kann ein Gebäude mit Untermietvertrag zur Verfügung gestellt werden.

5. Anforderung an die Qualifikation der Mitarbeiter*innen

  • Sozialpädagogen*innen/Sozialarbeiter*innen mit staatlicher Anerkennung
  • Mitarbeiter*innen mit einer sozialpädagogischen Qualifikation (FH)
  • Ausschließlich für die Betreuung der Kinder und Jugendlichen können Erzieher*innen eingesetzt werden, soweit sie über Fachkompetenzen in der Betreuung von Kindern und Jugendlichen verfügen, die sich in akuten Konfliktsituationen befinden und emotional infolge Vernachlässigung, Misshandlung oder sexuellem Missbrauch erheblich belastet sind.

6. Finanzierung

Die Finanzierung der jeweiligen Gruppen erfolgt gemäß §§ 77 ff. SGB VIII für die

  • Gruppe A - in Form eines Entgeltes (Tagessatz für Inobhutnahme/Tagessatz für Inobhutnahme mit Clearing für umA)
  • Gruppe B - in Form eines Entgeltes (Tagessatz)

7. Einzureichende Unterlagen

Für das Interessenbekundungsverfahren sind folgende Unterlagen einzureichen:

  1. Trägerdarstellung /Erfahrungen, Kompetenzen, Referenzen
  2. Konzept und Leistungsbeschreibung für das Angebot zum Betrieb einer Einrichtung für die Gruppen A und B:
    - inhaltliche Ausgestaltung (Darstellung der praktischen Arbeit, pädagogisches Konzept)
    - personelle Ausgestaltung (Personaleinsatz, Qualifikation der voraussichtlichen Mitarbeiter)
    - Dokumentation und Umsetzung (Zeitplan, Kooperationspartner, Sozialraumorientierung)
  3. Finanzierungsplan:
    - Darstellung der Aufwendungen
    - Darstellung des Eigenanteils des Trägers
    - Erläuterungen zur sächlichen Ausstattung

8. Auswertung der Interessenbekundungen:

Im Interessenbekundungsverfahren werden Transparenz, Gleichbehandlung und Unparteilichkeit der Auswertung gewährleistet.

Die Interessenten werden nach folgenden inhaltlichen Kriterien bewertet:

0=inakzeptabel
1=unzureichend
2=ausreichend
3=befriedigend
4=gut
5=sehr gut

 Nr.

Kriterium

Beschreibung

Punktwert

Gewichtung

1.

Fachliche Eignung/ Trägerkompetenz

Der Interessent kann Wissen und Praxiserfahrung für den Betrieb einer Einrichtung für Inobhutnahmen gemäß § 42 und § 42a SGB VIII sowie stationärer Hilfe zur Erziehung nachweisen. Zudem verfügt er über entsprechende Kompetenzen in der Heimerziehung.

 

30%

2.

Schlüssige Darstellung des Konzeptes und der Leistungsbeschreibung

Der Interessent stellt umfassend dar, welche inhaltlichen Schwerpunkte gesetzt werden. Die Beschreibung der Aufgabenerledigung ist klar strukturiert. Der Personaleinsatz ist nachvollziehbar begründet.

 

40%

3.

Umsetzung und Einbindung von Kooperationspartnern, Sozialraumorientierung

Welche nachweisbaren für das Angebot nutzbaren Kooperationen und Netzwerke des Interessenten bestehen? Wie kann eine Zusammenarbeit zwischen Einrichtung und Jugendamt aussehen? Wie will sich die Einrichtung in die bestehende soziale Infrastruktur einbinden?

Zudem liegt ein schlüssiger Zeitplan bis zur Inbetriebnahme vor.

 

10%

4.

Schlüssige Darstellung des Finanzierungs-plans

Ist die Finanzierung der Einrichtung unter Berücksichtigung der Wahrnehmung der beschriebenen Aufgaben im Hinblick auf Personal- und Sachausgaben auskömmlich finanziert? Von welchem Einsatz von Personal- und Sachkosten wird insgesamt ausgegangen und wie werden diese finanziert?

 

20%

9. Abgabefrist und sonstige Hinweise

Die in der Interessenbekundung genannten Unterlagen sind unter dem Vermerk „Interessenbekundung – Betrieb einer Einrichtung zur Inobhutnahme sowie Heimerziehung“ schriftlich bis zum 31.03.2021 einzureichen bei:

Landkreis Teltow-Fläming
Jugendamt
Am Nuthefließ 2
14943 Luckenwalde

Für Nachfragen stehen Ihnen zur Verfügung:

zum Verfahren
Falko Lachmann
E-Mail: Falko.Lachmann@teltow-flaeming.de

zum Angebot
Marion Lindner
E-Mail: M.Lindner@teltow-flaeming.de

zur Finanzierung
Jeannette Müller
E-Mail: J.Mueller@teltow-flaeming.de

Eingereichte Unterlagen können bis zum Abschluss des Auswahlverfahrens jederzeit schriftlich zurückgezogen werden.

Bei dem Interessenbekundungsverfahren handelt es sich nicht um eine Vergabe eines öffentlichen Auftrages. Es besteht kein Anspruch auf Durchführung eines Vergabeverfahrens oder Erteilung eines öffentlichen Auftrages.

Eine Erstattung der Kosten, die durch die Beteiligung an der Interessenbekundung entstehen, ist ausgeschlossen.

Luckenwalde, 17.02.2021
Jugendamt


Kontakt

Landkreis Teltow-Fläming

Structure
Jugendamt
Anschrift
Am Nuthefließ 2
14943 Luckenwalde
Telefon
(03371) 608-3401
Telefax
(03371) 608-9005
Website
www.teltow-flaeming.de

Sprechzeiten

Sprechzeiten
Möglichst nach Voranmeldung:
Di. 9 bis 12 und
13 bis 15 Uhr
Do. 9 bis 12 und
13 bis 17.30 Uhr
Aktuelle Änderungen und Servicezeiten der Ämter unter "Sprechzeiten"
Schließtag: 14. Mai 2021