Klimaschutz für alle

Neues Projekt in TF gibt einkommensschwachen Haushalten praktische Unterstützung
Datum: 21.12.2017
Beim Auftakttermin am 7. Dezember 2017 | Foto: gb-design Gerald Bornschein

Luckenwalde • Was lange währt, muss gut werden. Das wünscht man auch dem Projekt „Stromspar-Check“ in Teltow-Fläming. Bereits 2009 hatte Kornelia Wehlan noch als Abgeordnete der Linken einen entsprechenden Antrag in den Kreistag eingebracht. Als Landrätin ist sie nun acht Jahre später beim offiziellen Auftakt dabei.

Beim Stromspar-Check kommen Haushalte mit geringem Einkommen in den Genuss einer kostenlosen Beratung zu Energiesparpotentialen und zu notwendigen Soforthilfen.

Bundesprojekt jetzt auch in TF

Die Gemeinnützige Arbeitsförderungsgesellschaft mbH Klausdorf (GAG) ergriff die Initiative und übertrug das bundesweit seit zehn Jahren aktive Projekt in Zusammenarbeit mit der Berliner Energieagentur auf den Landkreis. „Es war ein langer Weg“, bestätigt auch GAG-Geschäftsführer Holger Schmidt im Hinblick auf die zwölfmonatige Vorbereitungsphase. In ganz Deutschland sind seit 2008 über 280.000 Haushalte durch rund 1.000 Stromsparhelfer beraten worden. Die durchschnittliche Kostenersparnis bei Strom, Wasser und Heizung liegt bei 150 Euro im Jahr. Hinzu kommen Einsparungen durch die bei bestimmten Bedingungen unterstützte Anschaffung neuer Kühlgeräte.

Soziale Komponente der Energiewende

Frederik Lottje begleitete die GAG von Seiten des Bundesprojekts. „Die Energiewende hat auch eine soziale Komponente“, ist er überzeugt und nennt die vier gleichzeitig unter einen Hut zu bringenden Ziele. Parallel zum direkten Umweltschutz durch die Kohlendioxid-Einsparung wird auch ein Arbeitsmarktziel verfolgt, indem Stromspar-Berater aus der Zielgruppe gewonnen werden. Die finanzielle Entlastung einkommensschwacher Haushalte als sozialem Ziel wird vom Bildungsauftrag durch die Vermittlung von Umweltschutz-Wissen flankiert.

Berater unterwegs

Die Stromspar-Checker für Luckenwalde Peter Grzebielec, Andrea Julemann, Martina Grecksch mit Siegrun Sauer, Holger Schmidt (beide GAG Klausdorf) und die Checker für Zossen Reiko Pätzold und Nancy Pöck (von links) | Foto: gb-design Gerald Bornschein

Einer der Stromspar-Berater, die seit zwei Monaten im Bereich Zossen tätig sind, ist Reiko Pätzold. Er kommt selbst aus dem Leistungsbezug des Jobcenters und weiß daher um die Probleme: „Es gibt Energiearmut in Deutschland!“. Für ihn ist es wichtig, auf Augenhöhe mit den Betroffenen zu reden, damit diese auch die Hilfestellung annehmen. Gemeinsam mit seiner Kollegin Nancy Pöck hat er bereits mehrere Haushalte abschließend beraten.

Austausch von Energiefressern

Darunter war auch Maren Lipsdorf, in ihrer Wohnung wurden kostenlos Leuchtmittel, Wasserhähne und ein Duschkopf getauscht. Schaltbare Steckdosenleisten waren zwar vorhanden, aber so angeordnet, dass niemand an den Schalter kam. Das alles „ging ganz problemlos“, sagt sie und freut sich über die Sensibilisierung. Nachdem sie den Ruheverbrauch des Föns kennt, zieht sie jetzt sogar den Stecker, wenn er nicht gebraucht wird.

Auch im Bereich Luckenwalde sind mit Martina Grecksch, Andrea Julemann und Peter Grzebielec drei Stromspar-Checker unterwegs. Etwa eine Stunde dauert das erste Beratungsgespräch, in dem Rechnungen gecheckt und die Daten des Haushalts erfasst werden. Nach der Eingabe in eine bundesweite Datenbank erfolgt beim zweiten Besuch entsprechend dem individuellen Bewertungsergebnis der Austausch von „Energiefressern“. Bis zu 70 Euro können für Kleinmaterial wie LED-Lampen, Steckdosenleisten oder Perlatoren eingesetzt werden.

Skepsis unbegründet - Einsparungen real

„Die meisten sind skeptisch“, wenn man die Beratung beginnt, beklagt Martina Grecksch. Doch es „gibt keinen Haken, am Ende des Jahres hat man mehr im Portemonnaie“. Sandy Wiechmann aus Luckenwalde ist schon gespannt auf das Ergebnis der Auswertung und findet es wichtig, auch die Kinder mit einzubeziehen. Nach der Erstberatung weiß er schon, dass die Musikanlage seiner Tochter im Standby-Modus ständig 12 Watt verbraucht. Und auch seine Steckdosenleisten will er künftig regelmäßig abschalten.

Viele Partner unterstützen Projekt

Für das Projekt wird über Flyer und Präsentation in Netzwerken und bei Bildungsträgern geworben. Denkbar ist auch die Vorstellung durch die Stromspar-Berater direkt im Jobcenter, meint Mitarbeiter Jörn Kerlikofsky, so dass „möglichst viele Mitbürger partizipieren können“. Er unterstützt das Projekt als Partner ebenso wie Ute Minkwitz und Werina Neumann vom Landkreis sowie Siegrun Sauer von der Koordinierungsstelle der GAG in Luckenwalde. Die Verkehrsgesellschaft Teltow-Fläming beteiligt sich mit vergünstigten Tickets für die Stromspar-Berater.

Nachhaltigkeit im Blick

Landrätin Kornelia Wehlan sieht den Stromspar-Check als Baustein zur Nachhaltigkeit im Klimaschutz - mit Konsequenzen, die über die Landkreis-Verantwortung hinausgehen. Sie freut sich über den Zugang an Informationen für alle Bevölkerungsgruppen und ist gespannt darauf, „wie das Projekt Leben eingehaucht bekommt“.

Das Projekt läuft bis Ende März 2019, Holger Schmidt möchte das Ziel von 450 Stromspar-Beratungen gern bis Ende nächsten Jahres erreicht haben. Dafür will er „die Informationen mit allen Möglichkeiten unters Volk bringen“ und das eigene Umdenken in Sachen Klimaschutz anregen.

(Text und Bild: Gerald Bornschein)

Kontakt

Gemeinnützige Arbeitsförderungsgesellschaft mbH Klausdorf

Anschrift
Kirchplatz 1-2
15806 Zossen
Telefon
(03377) 2011-0
Telefax
(03377) 2011-18
Website
www.gag-klausdorf.de

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Landkreis Teltow-Fläming

Name
Frau Werina Neumann
Position
Sachbearbeiterin Klimaschutz
Structure
Umweltamt
Room
A5.3.7
Anschrift
Am Nuthefließ 2
14943 Luckenwalde
Telefon
(03371) 608-2401
Telefax
(03371) 608-9170
Website
www.teltow-flaeming.de

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