Reise in die Vergangenheit

22. Archäologentag Teltow-Fläming 2019 in Kemlitz bei Dahme/Mark mit interessanten Vorträgen und Rahmenprogramm
Datum: 11.01.2019
Archäologenwerkzeug ... | Foto: pixabay, CCO

Der 22. Archäologentag Teltow-Fläming findet am Sonntag, dem 20. Januar 2019, in Kemlitz bei Dahme/Mark statt. Einlass ist ab 9.15 Uhr, der Eintritt ist kostenlos.

Auf Einladung des Ortes Kemlitz richten haupt- und ehrenamtliche Denkmalpfleger/-innen die Veranstaltung im dortigen AWO-Gut aus. Weil sich das Dorf direkt an der Kreisgrenze befindet, lag es nahe, auch eine Ausgrabung aus dem Nachbarlandkreis Dahme-Spreewald vorzustellen.

Holz, Stein und Wasser. Straßen und Befestigungsgräben in Dahme/Mark

Die Referate am Vormittag widmen sich archäologischen Funden und Forschungen in und um Kemlitz.

Zuerst stellt Anke Herrmann die Ergebnisse der Grabung in Dahme/Mark vor. Auch im westlichen Altstadtkern wurden mehrere Lagen hölzerner Straßen aus dem Mittelalter freigelegt, die teilweise exzellent erhalten waren.

Zahlreiche Metall- und Keramikfunde weisen auf regionalen und überregionalen Handel durch Kaufleute hin. Direkt am Vogelturm fanden sich Tonscherben der Slawenzeit aus dem 10./11. Jahrhundert nach Christus.

Zur mittelalterlichen Stadtbefestigung gehören Reste eines Torhauses und mehrere verfüllte Wassergräben, die in neuen Leitungsgräben angetroffen wurden. Außergewöhnliche Funde wurden durch die Denkmalfachbehörde mittels einer Drohne und durch ein Kamerateam dokumentiert.

Archäologische Funde bei Leitungsverlegungen in Kemlitz

Im Anschluss stellt Svenja Wendtland Keramikfunde und archäologische Befunde aus Kemlitz vor. Bei Leitungsverlegungen kamen vor einigen Jahren Funde aus dem frühen und späten Mittelalter zutage.

Die Ergebnisse dieser und früherer Grabungen werden erstmals einem größeren Publikum vorgestellt.

Ein slawischer Bestattungsplatz bei Gehren, Landkreis Dahme-Spreewald

Anja Grothe hat vor dem Bau der EUGAL-Ferngasleitung bei Gehren (Landkreis Dahme-Spreewald) slawische Körperbestattungen ausgegraben. Der Fundplatz war schon einige Jahre zuvor entdeckt und partiell dokumentiert worden.

Trotz schlechter Erhaltung der Knochensubstanz ließen sich durch Fingerspitzengefühl und Geduld bei der Freilegung außergewöhnliche Bestattungsformen und Beigaben nachweisen. Aufsehen erregte ein filigraner Perlenschmuck, welcher einer Frau mit in das Grab gegeben worden war.

Befunde, Keramik und Münzen aus dem mittelalterlichen Rathaus von Berlin und Parallelen zu Funden in Teltow-Fläming

Der erste Vortrag am Nachmittag führt in das mittelalterliche Berlin. Dort wurden das alte Rathaus ausgegraben und Baubefunde dokumentiert, worüber Bertram Faensen und Michael Hofmann berichten. Sowohl die Keramik als auch die Münzen spiegeln zumeist dieselben regionalen und überregionalen Bezüge wider wie vergleichbare Funde aus dem heutigen Landkreis Teltow-Fläming.

Der mittelsteinzeitliche Fundplatz Jühnsdorf 8. Das Buch zum international renommierten Bodendenkmal

Europa, wie wir es zurzeit kennen, hatte in der Steinzeit eine andere Gestalt. Das heutige England war Bestandteil des Festlandes, und die Ostsee war ein Süßwassermeer beziehungsweise ein Binnensee. Steinzeitliche Wildbeuter nutzten lokale pflanzliche und tierische Ressourcen und praktizierten verschiedene Formen der Bestattung und des Ahnenkultes.

Im Gegensatz zu Siedlungen der ersten Ackerbauern gelang es bisher selten, Behausungen der mittleren Steinzeit (circa 8500 bis 5500 vor Christus) nachzuweisen. Erwin Cziesla ist ein Steinzeitexperte. Ihm gelang es, anhand verschiedener Indizien für den Fundplatz Jühnsdorf 8 einen 9500 Jahre alten Gebäudegrundriss nachzuweisen. Dieser Fundplatz, über den er ein Buch verfasst hat, ist europaweit einzigartig.

Mittelalterliche und neuzeitliche Straßen. Baubegleitende Ausgrabungen an der B102 innerhalb der Altstadt von Jüterbog

Jüterbog kann auf eine mehr als 1000 Jahre alte Geschichte zurückblicken. Beim Ausbau der B 102 wurden im vergangenen Jahr bei Ausgrabungen unter der Leitung von Katharina Rothe und Daniel Dosdall aufsehenerregende Funde entdeckt. Dazu gehören eine mittelalterliche Straße aus Kieselsteinen, zahlreiche Funde aus Holz, Leder, Metall und Keramik, die auf spezialisierte Handwerker hinweisen.

Im Mittelalter (14. Jahrhundert) errichtete man an der schmalen Straße Fachwerkhäuser, deren straßenseitige Fassaden auf linear ausgelegten Findlingen aufgesetzt waren. Dies ist der Nachweis für einen planmäßigen Straßenbau mit angrenzenden Häuserzeilen.

Treffen ehrenamtlicher Denkmalpfleger

Begleitend zum Archäologentag findet auch in diesem Jahr ein Treffen ehrenamtlicher Denkmalpfleger statt. Derzeit üben 30 Bürgerinnen und Bürger eine solche Funktion aus und unterstützen damit die archäologische Denkmalpflege in der Region.

Sie untersuchen und kartieren in ihrer Freizeit bekannte archäologische Fundstellen und sammeln dort Oberflächenfunde, zum Beispiel Feuersteingeräte oder Tonscherben. In den vergangenen Jahren gelang es vermehrt, durch die Betreuung von Schüler- und Studienpraktikanten auch junge Leute für dieses Ehrenamt zu gewinnen.

Abwechslungsreiches Rahmenprogramm

Ein Rahmenprogramm bietet Abwechslung für Jung und Alt: Es gibt einen Stand der Unteren Denkmalschutzbehörde und der Archäologischen Gesellschaft in Berlin und Brandenburg e. V sowie Bücherstände mit Literatur zur Archäologie.

In der Mittagspause kann man das AWO-Gut erkunden, das Gutshaus umrunden, die Kirche besichtigen und einen Spaziergang durch das Dorf machen.

Wegen Bauarbeiten in Dahme/Mark bitte etwas mehr Zeit für die Anreise einplanen

In der Ortsdurchfahrt Dahme/Mark finden nach wie vor Bauarbeiten statt. Bitte folgen Sie der vor Ort ausgeschilderten Umleitung und planen Sie etwas mehr Zeit für die Anreise ein!

Übrigens ... werden die Bauarbeiten archäologisch begleitet. Insofern ärgern Sie sich bitte nicht über den möglicherweise etwas längeren Anfahrweg, sondern seien Sie gespannt auf die Ergebnisse der Untersuchungen! Vielleicht sind sie ja Thema eines der nächsten Archälogentage ...

Erstveröffentlichung: 7. Januar 2019

Kontakt

Landkreis Teltow-Fläming

Name
Herr Dr. Stefan Pratsch
Position
Kreisarchäologe
Structure
Untere Denkmalschutzbehörde
Room
A5.2.13
Anschrift
Am Nuthefließ 2
14943 Luckenwalde
Telefon
(03371) 608-3607
Telefax
(03371) 608-9160
Website
www.teltow-flaeming.de

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