Bohlenweg Jüterbog

Radfragment | Foto: Landkreis TF

„Dass solch ein Malheur ausgerechnet mir passieren musste!“ So oder ähnlich wird ein mittelalterlicher Fuhrmann geflucht haben, als er mit seinem Karren über den Bohlenweg in Jüterbog fuhr und ihm ein Rad entzwei brach.

Bei der Erneuerung der B 102 in der Altstadt von Jüterbog wurde im Juli 2017 eine hölzerne Straße entdeckt. Dabei wurde in der Großen Straße ein mehrphasiger Bohlenweg freigelegt, der aus dem Mittelalter stammt. Die oberste Lage bestand aus ca. 5,4 Meter langen Hölzern, die schlecht erhalten waren. Darunter lagen ein etwa 3,4 Meter breiter, aufwendig gestalteter Bohlenweg und darunter teilweise noch eine dritte Lage. Neben dem Weg wurden auch andere mittelalterliche Funde, wie ein Radfragment und Keramikscherben geborgen.

Außergewöhnliche Konstruktion

Hölzerne Befestigungen wurden vor allem im Zuge von Stadtgründungen und -erweiterungen vorgenommen, damit der Verkehr mittels Karren und Gespannen leichter rollen konnte. Sie wurden dort angelegt, wo der Untergrund morastig oder permanent feucht war.

Der Bohlenweg aus Jüterbog besticht durch seine außergewöhnliche Konstruktion. Waagerechte Stämme wurden in regelmäßigen Abständen rechtwinklig zum Straßenverlauf ausgelegt. Darauf liegen drei lange Balken in Fahrtrichtung. Den obersten Abschluss bilden rechteckige, breite Bohlen von etwa drei Metern Länge und einer Dicke von 10 Zentimetern. Damit die Bohlen seitlich nicht verrutschen konnten, wurden die äußeren Längsträger mit einer Falz versehen und die Bohlen darin eingepasst.

Archäologische Untersuchungen

Archäologen haben den Bohlenweg auf 60 m Länge freigelegt und dokumentiert. Es handelt sich um ein wichtiges Zeugnis mittelalterlicher Verkehrsgeschichte, das in mehrfacher Sicht beeindruckend ist. Für den Bau der hölzernen Straße wurden etliche Kiefern gefällt und daraus Unterlagebalken und normierte, rechteckige Bohlen hergestellt. Für die damalige Zeit war es eine handwerkliche und logistische Herausforderung, die von den Bürgern der Stadt Jüterbog mit Bravour gelöst wurde.

der freigelegte Bohlenweg | Foto: Landkreis TF

Während der Ausgrabung des Bohlenweges wurden etliche Proben für eine dendrochronologische Untersuchung entnommen. Die Holzscheiben wurden im Deutschen Archäologischen Institut in Berlin untersucht. Fast alle Konstruktionselemente wurden aus Kiefernholz gefertigt. Die ältesten Hölzer stammen aus dem Jahr 1175, die jüngsten aus dem Jahr 1206. Diese Datierungen unterstreichen die Bedeutung der Stadt Jüterbog im frühen Mittelalter.

Mittelalterliches Jüterbog

Die Stadt Jüterbog – 1007 erstmalig erwähnt – wurde an der Kreuzung wichtiger Fernhandelsstraßen gegründet. Eine Handelsstraße führte von Magdeburg über Jüterbog, Dahme und Luckau in Richtung Schlesien. Die andere führte von Halle nach Berlin. Nach der Eroberung des Jüterboger Landes wurde die Stadt dem Magdeburger Erzbischof Wichmann unterstellt, der den Ausbau der Stadt in vielfältiger Weise förderte. Im Jahr 1174 verlieh er den Bürgern von Jüterbog das Magdeburger Stadtrecht, Zollfreiheiten und das Marktrecht. Daraus resultierte ein gewisser wirtschaftlicher Aufschwung und genau ein Jahr später begann man mit dem Bau des ersten Bohlenweges in der heutigen Großen Straße.

Reste des Bohlenweges sind im Treppenhaus des Jüterboger Rathauses ausgestellt und können dort zu den Öffnungszeiten besichtigt werden.

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