Vogelparadies in Gefahr

Kitesurfen auf dem Rangsdorfer See verboten - Schutz der Vögel hat Vorrang
Datum: 01.11.2012

Zunehmend wird der Rangsdorfer See von Kitesurfern genutzt. Der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Teltow-Fläming bereitet dieser Trend große Sorgen, denn ein einzigartiges Vogelparadies ist in Gefahr.

Beliebter Ausflugsort

Promenade am See | Foto: Landkeis TF

Nur wenige Kilometer südlich der Berliner Stadtgrenze befindet sich der Rangsdorfer See. An seinem Ostufer erstreckt sich der beliebte Wohn- und Ausflugsort Rangsdorf mit einem Badestrand, einem Seehotel und idyllischen Wanderwegen.

An der Seeschule wurde durch ein internationales Jugendcamp gar eine Beobachtungsplattform errichtet. Von dort aus können Naturliebhaber auf dem See viele dunkle Punkte erkennen. Nimmt man das Fernglas zur Hilfe, entpuppen sich diese als unzählige Wasservögel, die den See zur Nahrungssuche und als Schlafgewässer nutzen. Neben verschiedenen heimischen Entenarten, Tauchern und Graugänsen finden sich regelmäßig Saat- und Blässgänse auf dem langen Zug von Nordrussland nach Holland und Frankreich ein, um sich für den Weiterflug zu stärken und für einige Wochen zu rasten.

Rastplatz für Wildgänse

aufgescheuchte Saat- und Blessgänse | Foto: Bernd Ludwig

Vor allem im Herbst und im Frühjahr, also auch gerade jetzt, bietet der See ein einmaliges Schauspiel: Allabendlich kehren Zehntausende dieser nordischen Wildgänse von ihren Nahrungsflächen in großen Scharen zum See zurück, um dort, sicher vor Fuchs und Marder, die Nacht zu verbringen. Ein lautes Schnattern empfängt die in endlosen Ketten und Keilen einfliegenden Artgenossen, die sich auf dem unbesiedelten Süd- und Westteil des Sees niederlassen.

Europäisches Vogelschutzgebiet mit hohem Erholungswert

Auf Grund seiner Bedeutung für die Vogelwelt ist der See in seinem Westteil nicht nur Naturschutzgebiet, sondern auch Europäisches Vogelschutzgebiet und genießt damit einen strengen Schutz vor Störungen. Allerdings bleiben Konflikte nicht aus.

Der See liegt idyllisch im dicht besiedelten Speckgürtel von Berlin und verfügt über eine gute Infrastruktur. Deshalb wird er auch von Erholungssuchenden naturgemäß gern aufgesucht.

Mensch gefährdet die Natur

In der Vergangenheit hat eine Vielzahl von Feuerwerken am Ufer des Sees die Vögel nachts aufgeschreckt. Aktuell bereitet der zuständigen Naturschutzbehörde vor allem die zunehmende Nutzung des Sees als Kitesurfrevier Sorgen. Die großflächigen, sich unvorhersehbar bewegenden Drachen (Kites) führen weiträumig zur Flucht der Wasservögel. Die Tiere verbrauchen dabei jene Energie, die sie sich in ihren Rastgebieten eigentlich anfressen sollten.

Die Kitesurfer stellen damit eine ungleich größere Störung für das Vogelschutzgebiet dar als die traditionelle Nutzung des Sees, etwa durch Boote oder auch Windsurfer. Solange diese sich nur auf der Ostseite des Sees aufhalten, können die Vögel auf die geschützten Teile des Sees ausweichen.

Kitesurfen auf dem Rangsdorfer See verboten

Kitesurfer auf dem Rangsdorfer See

Das Kitesurfen ist auf dem Rangdorfer See aufgrund der extremen Störungen, die es für die Wasservögel bedeutet, verboten. Allerdings ist es bisher nicht gelungen, entsprechende Informationsschilder aufzustellen, obwohl diese bereits gestaltet und durch die Gemeinde Rangsdorf in Auftrag gegeben wurden.

Der besorgte ehrenamtliche Betreuer des Sees, der die Entwicklung der Vogelwelt seit Jahrzehnten systematisch verfolgt, wird immer wieder mit zu Zehntausenden auffliegenden Vögeln konfrontiert. Ihm fällt es auf Grund der fehlenden Beschilderung schwer, sich bei den Surfern Gehör zu verschaffen. Da der Rangsdorfer See als Kitesurfrevier im Internet beworben wird, sind sie sich keiner Schuld bewusst.

Kiten und Segeln auf dem Eis gestattet

Um so eindringlicher will die zuständige Naturschutzbehörde mit dieser Veröffentlichung dafür werben, den Schutz des Sees vor derartigen Störungen zu respektieren und auf das Kitesurfen auf dem Wasser zu verzichten. Das traditionelle Eissegeln oder auch das Kitesurfen bei geschlossener Eisdecke sind dagegen unproblematisch, da bei Eislage die Wasservögel den See verlassen haben.

Mit Ausnahme des Kitesurfens auf offenem Wasser lassen sich in Rangsdorf also die Interessen der Nutzer des Sees und der Schutz der einzigartigen Vogelwelt durchaus unter einen Hut bringen. Und zwar zum gegenseitigen Vorteil...

Weitere Informationen

Für Rückfragen zum Thema steht die untere Naturschutzbehörde des Landkreises Teltow-Fläming zur Verfügung. Ansprechpartner ist Hans-Joachim Sommer (s. nebenstehender Kontakt).

Kontakt

Landkreis Teltow-Fläming

Name
Herr Hans-Joachim Sommer
Position
SB Artenschutz
Structure
Naturschutz
Room
B2.3.03
Anschrift
Am Nuthefließ 2
14943 Luckenwalde
Telefon
(03371) 608-2504
Telefax
(03371) 608-9170
Website
www.teltow-flaeming.de

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