Pilotprojekt Heidepflege

Erfolgreicher Abschluss - "kontrolliertes Brennen" hat sich bewährt
Datum: 17.09.2014

Das Pilotprojekt zur Erprobung und Entwicklung von Methoden zur Heidepflege durch kontrolliertes Feuer auf munitionsbelasteten Flächen im Naturschutzgebiet Heidehof-Golmberg wurde am 1. September 2014 im Landkreis Teltow-Fläming offiziell beendet. Dabei wurde ein anwendungsreifes Verfahren entwickelt, welches geeignet ist, auf vergleichbaren Flächen die Pflege dieses stark bedrohten und schutzbedürftigen Lebensraumes sicherzustellen.

Heidelandschaft | Foto: Landkreis TF Landschaft auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Heidehof
junge Kiefer und Heidekraut | Foto: Landkreis TF typische Vertreter der Heide-Vegetation

Schutzwürdiger Lebensraum für Fauna und Flora

Die Heideflächen Brandenburgs sind baumarme, überwiegend vom Heidekraut (Calluna vulgaris) geprägte Landschaften, die einen für den Naturschutz sehr wertvollen Lebensraum darstellen. Ihre hohe Bedeutung spiegelt sich auch darin wider, dass sie von der Europäischen Union als ein besonders schutzwürdiger Lebensraumtyp im Sinne der Fauna-Flora-Habitat-(FFH-)Richtlinie eingestuft werden, für deren Schutz unter dem Namen „NATURA 2000“ ein EU-weites System von Schutzgebieten eingerichtet wurde. Auch die märkischen Heiden sind Bestandteil dieses Schutzgebietsverbundes. Wegen des sehr hohen Flächenanteils hat das Land Brandenburg nicht nur eine nationale, sondern auch eine EU-weite Bedeutung und damit auch eine entsprechende Verantwortung für deren Erhaltung und Pflege.

Besondere Herausforderung: Kampfmittelbelastung

Bemerkenswert ist dabei, dass nahezu alle nennenswerten Heideflächen des Landes eng mit der militärischen Nutzung verbunden und daher fast ausschließlich auf aufgegebenen oder auf von der Bundeswehr aktiv genutzten Übungsplätzen zu finden sind. Auf diesen Flächen wurden und werden die Heiden im Rahmen des Übungsbetriebes durch permanente Bodenverwundungen und Brände erhalten. Nach Einstellung der militärischen Nutzung, die nach der politischen Wende gerade in Brandenburg umfangreiche Flächen betraf, ist die Herausforderung besonders hoch, diese sehr wertvolle Offenlandschaft zu erhalten. Problematisch ist aber nach wie vor die Belastung dieser Heideflächen mit Munition und anderen Kampfmitteln.

Der Landkreis Teltow-Fläming weist einen im Landesmaßstab besonders hohen Anteil derartiger Liegenschaften auf – erwähnt seien die beiden ehemaligen Übungsplätze bei Jüterbog, Kummersdorf-Sperenberg und Wünsdorf-Töpchin. Daher wurden bereits im Jahr 2005 erste Vorarbeiten für ein Förderprojekt gestartet, welches sich im Sinne eines Pilotvorhabens der Entwicklung und Erprobung von Verfahren der Landschaftspflege auf munitionsbelasteten Flächen widmet.

Projekt unter Federführung des Landkreises

Das durch das Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung und die Stiftung NaturschutzFonds geförderte Projekt startete im Jahr 2009 und wird im Jahr 2014 beendet. Es wurde in der Trägerschaft des Landkreises Teltow-Fläming durchgeführt, welcher ein externes Expertenteam einband und über die gesamte Laufzeit von einer interdisziplinär besetzten Projektarbeitsgruppe begleitet wurde.

Kontrolliertes Brennen

Für ein sicheres und effizientes Brennen auf kampfmittelbelasteten Standorten musste in dem Entwicklungs- und Erprobungsvorhaben Neuland betreten werden. Verfahren des kontrollierten Brennens auf unbelasteten Standorten, die durch die Arbeitsgruppe Feuerökologie/Global Fire Monitoring Center (GFMC) (Freiburg i. Br.) in Zusammenarbeit mit dem Bundesforstbetrieb Lausitz (Weißkeißel) unter den rechtlichen Rahmenbedingungen und den Standortbedingungen der kontinentalen Heidegebiete in Brandenburg seit 2001 entwickelt wurden, mussten auf die besondere Gefährdungslage angepasst werden.

Besondere Technik

Zusammen mit der Firma DiBuKa (Dienstleistungen im Brand- und Katastrophenschutzfall) GmbH aus Seehausen (Altmark) wurden zwei ehemalige militärische Panzerfahrzeuge umgerüstet, um eine sichere Zündung und Absicherung der kontrollierten Feuer zu gewährleisten. Der Panzer vom Typ SPOT-55, der zum Löschen von Feuer unter Kampfmittebelastung eingesetzt wird, verfügt über elf Tonnen Löschwasser, die von zwei Hochdruck-Löschkanonen ausgebracht werden. Er bietet der Besatzung Schutz vor Splitterwirkung der beim Brennen möglicherweise detonierenden Munition. Die Zündung der Flächen erfolgt aus einem umgebauten und ursprünglich nur leicht bewaffneten Kommandopanzer. Durch ein Fernzündgerät können die Feuer auf eine Entfernung bis zu 80 Metern entzündet werden. Beide Panzer operieren von einer Trasse, die die Brennflächen umgibt und auf einer Tiefe von 2 Metern von Munition beräumt ist. Um den Einsatz der gepanzerten Fahrzeuge und der Besatzungen zu leiten, wurde eine Drohne zur Überwachung des Brennens eingesetzt. In den Spätwintern 2012 und 2013 wurden die Techniken im Naturschutzgebiet „Heidehof-Golmberg“ erfolgreich eingesetzt.

Zündfahrzeug | Foto: Landkreis TF Zündfahrzeug
Löschpanzer | Foto: Landkreis Teltow-Fläming Löschpanzer

Naturschutzfachliches Monitoring

Ein wichtiger Bestandteil des Projektes war auch ein umfangreiches naturschutzfachliches Monitoring. Dazu wurden durch das in Halle (Saale) ansässige Landschaftsplanungsbüro RANA die gebrannten Flächen bereits vor Maßnahmebeginn umfangreich hinsichtlich der Vegetationsausstattung und des Tierarteninventars untersucht, um anschließend – auch unter Hinzuziehung ungebrannter Vergleichsflächen – den Effekt des Feuers auf das Ökosystem zu belegen. Die erfolgreiche Regeneration des Heidekrautes und die sehr schnelle Wiederbesiedlung der Flächen durch gefährdete und seltene Vögel, Insekten und Spinnen konnte mit Probeflächenerhebungen dokumentiert werden.

Ergebnis: Anwendungsreifes Verfahren

Im Ergebnis des Pilotvorhabens konnte ein anwendungsreifes Verfahren entwickelt werden, welches geeignet ist, auf vergleichbaren Flächen die Pflege dieses stark bedrohten und schutzbedürftigen Lebensraumes sicherzustellen.

Sowohl die Untersuchungsergebnisse als auch der praktische Effekt beider Brennaktionen auf der Fläche wurden im Rahmen der Projektabschlussveranstaltung der interessierten Öffentlichkeit präsentiert.

Kontakt

Landkreis Teltow-Fläming

Name
Herr Dr. Manfred Fechner
Position
Amtsleiter
Structure
Umweltamt
Room
A5.3.01
Anschrift
Am Nuthefließ 2
14943 Luckenwalde
Telefon
(03371) 608-2301
Telefax
(03371) 608-9170
Website
www.teltow-flaeming.de

Sprechzeiten

Sprechzeiten
Mo. nach Vereinbarung
Di. 9 bis 12 und
13 bis 15 Uhr
Do. 9 bis 12 und
13 bis 17.30 Uhr
Fr. nach Vereinbarung

Am 31. Mai, 4. Oktober und 23. Dezember 2019 ist die Kreisverwaltung für Publikumsverkehr geschlossen (Brückentage).