5000 Jahre altes Artefakt

Kreisarchäologe Dr. Stefan Pratsch informiert über außergewöhnlichen Fund eines Bodendenkmalpflegers
Datum: 21.10.2016
Das Fundstück bei seiner Entdeckung. | Foto: Ralph-Dieter Michel

Über einen außergewöhnlichen Fund, den der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger Ralph-Dieter Michel aus Luckenwalde unlängst machte, informiert Dr. Stefan Pratsch, Kreisarchäologe des Landkreises Teltow-Fläming:

Ralpf-Dieter Michel hatte Glück, als er am 21. September 2016 ein Feld an der Nuthe zwischen Jüterbog und Bochow absuchte. Direkt an der Oberfläche fand er ein kleines schmales Beil aus Felsgestein. Es ist 9 cm lang, 2,8 cm breit und 1,5 cm dick.

Das Artefakt wurde aus einem schieferartigen Gestein gefertigt und anschließend komplett überschliffen. Die Schneide ist außerordentlich scharfkantig. Der kleine Nacken misst etwa 1,8 x 1,0 cm und weist mehrere Schlagnarben auf.

Einstiger Nutzungszweck

Wozu diente dieses beilartige Gerät? Es ist viel zu klein, um als Werkzeug zum Fällen von Bäumen genutzt worden zu sein. Die Schlagspuren auf dem Nacken deuten darauf hin, dass es sich um einen Beitel oder Meißel handelte, mit dem man Holz oder andere Materialien bearbeitete. War die Schneide durch Abnutzung stumpf geworden, konnte man sie wieder nachschärfen.

Siedlungen auf dem Niederen Fläming

Kleine Steinbeile oder -meißel datieren in die ausgehende Jungsteinzeit. Der Fund aus der Gemarkung Jüterbog stammt aus dem 4. Jahrtausend vor Christus und ist etwa 5000 Jahre alt.

Die fruchtbaren Böden auf dem Niederen Fläming südlich und südwestlich von Jüterbog wurden schon sehr früh durch Ackerbauern und Viehzüchter genutzt. Seit der Zeit um 5000 v. Chr. siedelten sich dort erste Bauern an. Entlang der Nuthe und der einmündenden Bäche entstanden zahlreiche dorfartige Siedlungen. Charakteristisch für die ersten Siedler waren Krüge und Gefäße, die mit Linearbandmotiven verziert waren.

Im Lauf der Zeit zweckentfremdet

Das Steinartefakt wurde in jüngerer Zeit zweckentfremdet: Eine Schmalseite weist längliche Schleifspuren auf, die zu einem Materialverlust geführt haben. Im Gegensatz zur gegenüberliegenden, konvexen Schmalseite ist diese leicht konkav geformt. Hiermit wurden Metallgegenstände geschliffen oder geschärft. Anschließend wurde das Gerät verloren oder weggeworfen. Berücksichtigt man den Materialverlust, dürfte das Gerät ursprünglich 3,3 cm breit gewesen sein.

Dank dem Finder

Dem Finder Ralph-Dieter Michel gebührt ein herzlicher Dank für seine akribische Suche nach archäologischen Hinterlassenschaften längst vergangener Kulturen. Nach der Registrierung und wissenschaftlichen Bestimmung im Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseum kann das Gerät die Ausstellung im Jüterboger Museum bereichern.

Kontakt

Landkreis Teltow-Fläming

Name
Herr Dr. Stefan Pratsch
Position
Kreisarchäologe
Structure
Untere Denkmalschutzbehörde
Room
A5.2.13
Anschrift
Am Nuthefließ 2
14943 Luckenwalde
Telefon
(03371) 608-3607
Telefax
(03371) 608-9160
Website
www.teltow-flaeming.de

Sprechzeiten

Sprechzeiten
Mo. 9 bis 12 und
13 bis 15 Uhr
Di. 9 bis 12 und
13 bis 15 Uhr
Do. 9 bis 12 und
13 bis 17.30 Uhr
Fr. 9 bis 12

Am 31. Mai, 4. Oktober und 23. Dezember 2019 ist die Kreisverwaltung für Publikumsverkehr geschlossen (Brückentage).