Archäologen in Kaltenborn

Kleine Funde mit großer Aussagekraft - Untersuchungen im frühromanischen Gotteshaus
Datum: 12.11.2018

Seit dem 10. Oktober 2018 findet in der frühromanischen Dorfkirche von Kaltenborn bei Jüterbog eine denkmalpflegerische Dokumentation statt. Das teilt Kreisarchäologe Dr. Stefan Pratsch mit.

Die Unterlagebalken des 200 Jahre alten Gestühls an der südlichen Innenwand waren durch aufsteigende Feuchtigkeit vermodert. Die Firma Oehnaland demontierte das Gestühl und arbeitet es derzeit auf. Geplant ist, dass unmittelbar nach Abschluss der archäologischen Untersuchung das Gestühl eingesetzt werden kann. Zur Adventszeit werden die Bankreihen im wahrsten Sinne wieder „besetzt“ sein.

Zahlreiche Funde unter dem Kirchenboden

Die archäologische Dokumentation beschränkt sich auf den Abtrag einer zehn Zentimeter starken Schicht, unter der sich ein mittelalterliches Kleinsteinpflaster befindet.

Bisher wurden 60 Münzen, etliche Stecknadeln aus Eisen und Kupfer, Keramik des späten Mittelalters (Ofenkachel mit grüner Innenglasur, harte Grauware ohne Glasur, Irdenware mit gelber Innenglasur, ein Tonpfeifenfragment) und Schmuck gefunden (Perlen, eine Kreole, ein Fingerring u. a.).

Brand im 18. Jahrhundert zerstörte Inneneinrichtung

Bekannt ist, dass am 5. Mai 1785 ein Brand die hölzerne Inneneinrichtung der Kirche zerstörte. Der Wiederaufbau erfolgte in den Jahren 1785 bis 1795. Der Feuerschaden betraf nicht nur die Kirche, wie eine Aktenrecherche in Archiven von Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt ergab. Zeitgleich brannten das angrenzende Schulzengut und eventuell weitere Gehöfte ab. Es muss ein schreckliches Szenario gewesen sein, da die Kirche bis auf die Feldsteinwände total ausbrannte. Die Fensterscheiben zersplitterten, die Ziegeldachsteine zerbarsten und zuletzt stürzte vermutlich das Dach mit einem mal in sich zusammen und begrub alles unter sich.

Blick von oben auf Grabungshelfer | Foto: Landkreis TF Blick von oben auf Grabungshelfer

Dokumentation mit digitalen Hilfsmitteln

Geplant ist, die Erdarbeiten Anfang November abzuschließen und das freigelegte Katzenkopfpflaster digital zu dokumentieren. Neben Digitalkameras soll erstmals auch eine Drohne eingesetzt werden, um das aufwändige Zeichnen von Hand zu ersetzen. Dazu wird ein Quadratmeter-Raster angelegt, dessen Eckpunkte mit Fugenkreuzen ausgelegt werden. Jedes dieser Quadrate wird mit einer Senkrechtaufnahme digital erfasst. Anschließend können diese Bilder am Computer entzerrt und zusammengepasst werden.

Grundrissplan gesucht

Bisher konnte kein vermaßter Grundrissplan der Kaltenborner Kirche aufgefunden werden. Für das Einfügen des Grabungsplanes ist aber ein Aufmaß vonnöten. Zu DDR-Zeiten wurde der Fußboden bereits umgestaltet und die Hoffnung ist nun, dass in Kirchenakten oder im Stadtmuseum Jüterbog ein solcher Plan gefunden wird.

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