Archäologentag mit 130 Gästen

Erneut großes Interesse für Ausgrabungen in der Region und historische Zeitzeugen
Datum: 25.01.2019

Saal voll Menschen

Gut gefüllt war der Veranstaltungssaal auch in diesem Jahr bereits zu Beginn des diesjährigen Archäologentages. | Foto: Landkreis TF

Großes Interesse fand auch in diesem Jahr der Archäologentag Teltow-Fläming. Rund 130 Interessierte waren nach Kemlitz gekommen, um sich über aktuelle Ausgrabungen und historische Funde zu informieren.

Dietlind Biesterfeld würdigte vor allem das ehrenamtliche Engagement zahlreicher Akteure in der archäologischen Denkmalpflege. | Foto: Landkreis TF

Dietlind Biesterfeld, Beigeordnete des Landkreises, und der Kemlitzer Ortsvorsteher Fred Tzschoppe begrüßten die Gäste. Sie kamen nicht nur aus unserem Landkreis, sondern auch auch aus Dahme-Spreewald, Elbe-Elster, Potsdam-Mittelmark und Berlin.

Mit dem Archäologentag vermittelt Untere Denkmalschutzbehörde des Landkreises ein Stück Heimatgeschichte und zeigt, wie kontinuierlich neue Erkenntnisse gewonnen und zusammengetragen werden. Hier eine Zusammenfassung:

Ergebnisse der Grabung in Dahme/Mark

Sehr eindrucksvoll stellte Anke Herrmann die Ergebnisse einer Grabung in Dahme/Mark vor. Im westlichen Altstadtkern wurden mehrere Lagen hölzerner Straßen aus dem Mittelalter freigelegt, die teilweise exzellent erhalten waren.

Zahlreiche Metallfunde, zum Beispiel Hufeisen, weisen auf regionalen und überregionalen Handel hin. Von der mittelalterlichen Stadtbefestigung zeugen Reste eines Torhauses und mehrere verfüllte Wassergräben, die vor der Errichtung der Stadtmauer angelegt wurden. Außergewöhnliche Funde hat die Denkmalfachbehörde mit Hilfe einer Drohne und eines Kamerateams dokumentiert.

Fundplatz mit slawischen Bestattungen

Anja Grothe referierte über einen Fundplatz mit slawischen Bestattungen, die bei Gehren (LDS) entdeckt wurden. Trotz schlechter Erhaltung der Knochensubstanz ließen sich außergewöhnliche Bestattungsformen und Beigaben nachweisen.

Besondere Beachtung fand ein filigraner Perlenschmuck, welcher einer Frau mit in das Grab gegeben wurde. Ein silbernes Münzfragment aus dem Vorderen Orient belegt weitreichende Handelsbeziehungen und gelangte über den Handel der Wikinger bis in unsere Gegend.

Daneben wurden andere Ausgrabungsstellen und besondere Funde entlang der Gastrasse erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

Münzgeschichte und mehr

Spannend legte Michael Hofmann, Mitarbeiter des Landesdenkmalamtes Berlin, die Erkenntnisse zu Baubefunden und Münzfunden aus dem mittelalterlichen  Rathaus von Berlin dar. Anhand der etwa 1400 "Silberlinge" aus fünf Jahrhunderten gab er einen Abriss zur Berliner und Brandenburger Münzgeschichte. 

Die Geldstücke stammen aus verschiedenen Fußbodenniveaus des Rathauses und wurden von ihren Besitzern verloren. Rathäuser hatten im Mittelalter mehrere Funktionen: Sie waren zugleich Kaufhäuser, besaßen Schankstuben, Warenlager und dienten administrativen und juristischen Zwecken.

Ausflug in die Steinzeit

Große Beachtung fand der Vortrag von Dr. Erwin Cziesla zu Ausgrabungen auf einem Fundplatz der mittleren Steinzeit (circa 8500 bis 5500 vor Christus) bei Jühnsdorf. Dem Steinzeitexperten gelang es, durch eine diffizile Grabungsmethodik und spezielle Fundkartierungen, einen 9500 Jahre alten Gebäudegrundriss zu rekonstruieren.

In Europa gibt es nur einen weiteren Fundplatz mit einem vergleichbaren Hausgrundriss. Anhand von ethnografischen Beispielen aus Nordamerika konnte Dr. Cziesla zeigen, wie die Behausungen der Steinzeitmenschen ausgesehen haben könnten.

Nachweis für planmäßigen Straßenbau

Jüterbog kann auf eine mehr als 1000 Jahre alte Geschichte zurückblicken. Beim Straßenausbau im Verlauf der heutigen Großen Straße wurden außergewöhnliche Funde dokumentiert, die Daniel Dosdall vorstellte. Dazu gehören mittelalterliche Kellergruben entlang einer Straße, die mit Kieselsteinen ausgelegt war. Etliche Funde aus Holz, Leder, Metall und Keramik weisen auf spezialisierte Handwerker hin.

Im 14. Jahrhundert errichtete man an der schmalen Straße Fachwerkhäuser, deren straßenseitige Fassaden auf linear ausgelegten Findlingen aufgesetzt waren. Hier gelang der Nachweis für einen planmäßigen Straßenbau mit angrenzenden Häuserzeilen.

Ehrenamtliche Denkmalpflege

Am Treffen ehrenamtlicher Denkmalpfleger nahmen 12 Personen teilt. Es wurden neue Projekte besprochen, Funde analysiert und bestimmt. Derzeit üben 30 Bürgerinnen und Bürger ein solches Ehrenamt aus und unterstützen damit die archäologische Denkmalpflege in der Region.

Dank für Engagement

Zum Abschluss der Veranstaltung würdigten Ortsvorsteher Fred Tzschoppe und Kreisarchäologe Dr. Stefan Pratsch das Engagement der Akteure und Helfer vor Ort. Ein besonderer Dank gilt den Betreuerinnen und Betreuern der Informationsstände, dem Team des AWO-Gutes und dem ehrenamtlichen Denkmalpfleger Robert Grüttner für die Präsentation archäologischer Funde.

Viele Gäste nutzen die Gelegenheit des Archäologentages und besichtigten vor Ort das Areal um das ehemalige Gutshaus, die Kirche oder unternahmen einen Spaziergang durch den Dorfkern.

Kontakt

Landkreis Teltow-Fläming

Name
Herr Dr. Stefan Pratsch
Position
Kreisarchäologe
Structure
Untere Denkmalschutzbehörde
Room
A5.2.13
Anschrift
Am Nuthefließ 2
14943 Luckenwalde
Telefon
(03371) 608-3607
Telefax
(03371) 608-9160
Website
www.teltow-flaeming.de

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