Arbeitsmarktprojekte in TF

Erfolgreiche Arbeit von Integrationsbegleitung und Lotsendienst
Datum: 30.09.2019
Auswertung der Arbeitsmarktprojekte 2019: Teilnehmer*innen und Akteure berichten | Foto: Gerald Bornschein

Luckenwalde • Zur Bilanz der Arbeitsmarktprojekte in Teltow-Fläming hatte das Amt für Wirtschaftsförderung und Kreisentwicklung Akteure und Teilnehmer*innen Luckenwalde eingeladen.

Mit einem Auftakt an der Trommel begrüßte Haval Khalil die Gäste der Gäste im Kreisausschusssaal. Der Syrer befindet sich derzeit mit Hilfe des Lotsendienstes in der Existenzgründung als Musiker.

Landrätin: Arbeitsmarktförderung bleibt spezielle Aufgabe

Trotz aller Termine nahm auch Landrätin Kornelia Wehlan an dem „Highlight, das mit Menschen zu tun hat“ teil. Sie ist stolz auf die Projekte der Integrationsbegleitung und des Lotsendienstes, den Steffi Weit seit 2012 „mit Leidenschaft und Hingabe“ leitet. Dennoch seien die Teilnehmer die Haupt-Matadore, die von der Idee bis zur Umsetzung auf fachkompetente Begleitung setzen können. Trotz der fast erreichten Vollbeschäftigung sehe der Landkreis die Arbeitsmarktförderung weiter als spezielle Aufgabe.

Jobcenter: Besondere Probleme erfordern größere Anstrengungen

Sandra Leffler vom Jobcenter bestätigte den Rückgang der Arbeitslosenzahlen seit 2008 um mehr als die Hälfte. Auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen konnte seitdem von etwa 3.500 auf unter 1.600 Personen reduziert werden. Doch gerade diese Kunden verlangten aufgrund komplexer Problemlagen wie Gesundheitsproblemen, Sucht oder Schulden größere Anstrengungen. Die Förderung erfolge daher inzwischen gezielter und bewerberorientierter. Ein berufsbegleitendes Coaching hilft, Arbeitsverhältnisse zu stabilisieren.

Amt für Wirtschaftsförderung: 1.750 von 4.000 Teilnehmer*innen vermittelt

Die Ziele und Erfolge der Arbeitsmarktprojekte des Landkreises präsentiert Siegmund Trebschuh,  komm. Leiter des Dezernats IV und des Amtes für Wirtschaftsförderung und Kreisentwicklung. Die Minderung der Langzeitarbeitslosigkeit sei auch im Sinne des Arbeitskräftemangels zu betrachten. Seit 2007 wurden in den verschiedenen Projekten von 4.500 Teilnehmern mehr als 1.750 in Bildung, Arbeit oder Selbstständigkeit vermittelt.

Dank der Struktur des Amtes seien erfolgreich Synergien erreicht worden, denn Wirtschaftsförderung, Arbeitsmarktpolitik und Kreisentwicklung hätten Hand in Hand gearbeitet. „Die einen haben die Menschen in ihren Projekten, die anderen die freien Stellen“, sagt er. Auch das Land Brandenburg  arbeite mit seiner Wirtschaftförderungsgesellschaft in derselben Zusammensetzung. Mit der Einstellung zwei neuer Mitarbeiter im Bereich Wirtschaftsförderung, Tourismus und Mobilität seien nun auch die personellen Probleme beendet.

Kerstin Borngräber vom Sachgebiet Arbeitsmarktpolitik dankte den vier Integrationsbegleitern (IB) und dem Lotsendienst für das Engagement. Gerade die zwei IB-Projekte in Luckenwalde und Zossen sorgten für einen Anstieg des Beschäftigungsgrades trotz multipler Hindernisse bei den Teilnehmern. Die Begleiter unterstützten zum Beispiel in den Bereichen Mobilität, Teilhabeanträge oder im Umgang mit Geld. Sie zeigten nicht nur preiswerte Freizeitmöglichkeiten auf, sondern planten gemeinsame Aktivitäten mir Kindern und vernetzten untereinander. Noch bis Ende Juli 2020 liefen die aktuellen Projekte, eine Neuauflage stehe in Aussicht.

Lotsendienst: Erfolge berechtigen Verlängerung des Projekts

Auch für den Lotsendienst, dessen Laufzeit im Dezember 2020 endet, ist ein Antrag auf Verlängerung gestellt. Sein Erfolg steht außer Frage, die momentan erreichte Gründungsquote liegt bei 81 Prozent (Soll 60 Prozent). Zumal jeder Gründer im Schnitt zwischen einem und drei neuen Arbeitsplätzen schafft. Seit 2007 erfolgten über den Lotsendienst 450 Gründungen mit über 1.000 Arbeitsplätzen, berichtet Steffi Weit. Die folgenden Best-Practice-Beispiele zeigen die Vielfalt dabei.

Mit 29 Jahren hat Ralf Klaudius das Unternehmen, in dem er vorher fünf Jahre lang angestellt war, von seinem ehemaligen Chef übernommen. Damit sichert er acht Mitarbeitern und sich selbst die weitere Existenz. Er sieht gute Chancen, denn der Betrieb, der Federstahl vom Einzelstück bis zur Kleinserie herstellt, hat Potenzial. Ohne den Lotsendienst und Berater Volkmar Redlich hätte er als Jungunternehmer wohl kaum einen Kredit über 300.000 Euro bekommen.

Dagegen nehmen sich die 60.000 Euro Finanzspritze, die David Bode für seinen Foodtruck erhalten hat, wie Peanuts aus. Dennoch wäre fast zum Abbruch der Gründung gekommen, da weder Arbeitsagentur noch KfW das Vorhaben unterstützen wollten. Auch hier konnte Redlich, der sich über die „coolen Gründertypen“ freut, bei Bankgesprächen helfen. Heute beschäftigt der 33-Jährige zusätzlich vier 450-Euro-Arbeitskräfte.

Ganz ohne Kredite, aber mit Gründerzuschuss baute Clara Stark ihre Ledermanufaktur auf. Unterstützt wurde die 24-Jährige von Beraterin Andrea Schenk, die lobt: „Die Gründer stecken so in ihrer Idee!“ Stark meint dagegen, „es gibt nicht besseres, als so jemanden an der Seite zu haben“. Nachdem sie sich selbst einen Rucksack für das Rennradfahren genäht hatte, entstand die Nachfrage fast von selbst, heute vertreibt sie ihre Produkte auf Kunsthandwerker-Märkten. Obwohl momentan sehr viel Arbeit ansteht, möchte sie auch als Gründerin genug Freizeit haben.

Integrationsbegleitung: Erfolgreiche Vermittlung trotz Hindernissen

Ganz spezielle erfolgreiche Vermittlungen kann die Integrationsbegleitung vorweisen. Da wäre zum ersten Frau Tsulbuur, eine studierte Juristin aus der Mongolei. Nach mehreren vergeblichen Anläufen, berichtet Begleiterin Martina Lodyga, ist sie heute bei der Flüchtlingshilfe in Wünsdorf fest in Vollzeit angestellt. Auch Frau Kielczynski, Alleinerziehende mit zwei Kindern, konnte dank Unterstützung durch Karin Gülde von anfangs 30 auf 40 Wochenstunden aufstocken. In einem Ludwigsfelder Pflegedienst wird ihre Tätigkeit geschätzt.

Ein duales Studium in der Kreisverwaltung hat Herr Lieschke aufgenommen, der Politik-Wissenschaftler hatte nach seinem Studium vergeblich nach einer Anstellung gesucht. Mit Hilfe der intensiven Betreuung durch Katrin Sonnenschein konnte er die damit verbundene Abwärtsspirale durchbrechen. Eine Übernahme nach erfolgreichem Abschluss ist 2021 garantiert. Landrätin Kornelia Wehlan findet es angenehm, Studenten im Einsatz zu haben. In Bachelorarbeiten angegangene Projekte bringen die Verwaltung nach vorn, gleichzeitig wird man der „großen Verantwortung, für den eigenen Nachwuchs zu sorgen“ gerecht.        

Wirtschaftsförderung Brandenburg GmbH: Weiterentwicklung in Sicht

Dr. Matthias Kirbach von der Wirtschaftsförderung Brandenburg GmbH gab einige Ausblicke zum Fortgang der Projekte. Im Übergangsprozess bis zur neuen EU-Förderperiode wird es inhaltlich bei der Integrationsbegleitung kaum Änderungen geben. Als eines von 30 Projekten in Brandenburg zeichne sich der Lotsendienst in Teltow-Fläming durch besondere Kompetenz, Erfahrung und Einbindung in Netzwerke aus, Erfolgsfaktoren die in die Verlängerung gehen.

Im aktuellen Modellprogramm zur Beschäftigungsförderung und Armutsbekämpfung „Förderung von sozialen Innovationen“ kann sich jeder bewerben. Von 2021 bis 2027 wird dann ESF Plus wirksam, näheres dazu ist auf der ESF-Jahrestagung am 23. Oktober im Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie zu erfahren. Die Jahresauftaktveranstaltung der kommunalen Beschäftigungsförderer im Februar 2020 wird sich vor allem mit der Zielgruppe Jugend befassen.

(Gerald Bornschein)

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