Künstlerbücher von Sigrid Noack

Vom 27. Juni bis 9. August 2020 in der NEUEN GALERIE
Datum: 21.07.2020

„Ich male nicht nur, was ich sehe, sondern ich male auch, was ich weiß.“ (Sigrid Noack)

Die gegenwärtige Ausstellung "Mythische Wesen und magische Orte" in der NEUEN GALERIE in Wünsdorf-Waldstadt zeigt neben Tafelbildern, Arbeiten audf Papier und Objekten auch Künstlerbücher der Gubener Künstlerin Sigrid Noack.

Zu sehen sind sie donnerstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr.


Die Künstlerbücher

Mit den bisher 60 geschaffenen Künstlerbüchern ist Sigrid Noack in wichtigen Sammlungen des In- und Auslands vertreten, u.a. in der State Library New South Wales in Sydney, der Sammlung der Stanford University in den USA, der Bibliothèque Nationale et Universitaire de Strasbourg, der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, dem Klingspor Museum Offenbach, dem Deutschen Buch- und Schriftmuseum Leipzig und der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel.„Meine Reverenz an die Bücherstadt Wünsdorf besteht in der Präsentation einer Werkgruppe, mit der ich u.a. auch in internationalen Museen und Sammlungen vertreten bin: meiner Künstlerbücher (gut 60 sind es bis heute). Für diese Ausstellung ausgewählt habe ich solche, die in Zusammenarbeit mit von mir geschätzten Autoren und Musikern (Autorin Ingeborg Arlt, Musiker Michael Schenk) entstanden sind.“ (Sigrid Noack)

In der NEUEN GALERIE werden elf gezeigt:

Atemzeiten. 1993

Künstlerbuch Atemzeiten | Foto: Sigrid Noack

16 Gouachen und übermalte Notenblätter.
39,5 x 41,3 cm. 35 Seiten, davon 12 Seiten Text. Zwischenlagen: Seidenpapier.
Musik: Michael Schenk, „Atemzeiten“.
Texte: Michael Schenk, Reinhild Tetzlaff, Sigrid Noack.
Fester Einband mit Musik-Cassette.
Auflage: 10 Exemplare mit Monotypie-Charakter.

Das Buch ist eine künstlerische Reaktion auf Zeitereignisse, die politische „Wende“ im Osten Deutschlands. Die Musik verweist auf Erinnerungen des Zuhörers. Das Metronom wirkt dabei als Herzschlag und Zeitmesser. Die Formensprache in Reduktion der Mittel folgt den emotionalen Vorgaben der Musik.

Berührung. 1997

10 Collagen und Farbmonotypien auf Holzschnittpapier.
32,7 x 45,3 cm. Gerader Rücken. Rückenstärke 1 cm. Fester Einband mit Cassettenfach. Gestaltete Musik-Cassette. 26 Seiten. Vorsatzblätter: Japanpapier.
Essay: Ingeborg Arlt. Text: Sigrid Töpelmann. Musik: Michael Schenk 1996. Auflage: 7 + 3 e. A. Exemplare.

Ein künstlerischer Beitrag zur Genderforschung. „Schriftstellerinnen müssen sich trauen“, heißt es in dem Essay von Ingeborg Arlt. Gemeint ist damit zweierlei: das Vertrauen zu sich selbst und das Wagnis, sich über Tabus hinwegzusetzen. Sie macht sich dabei lustig über eine Auffassung der Liebe, die alles genitalisiert, die geistige Berührung mehr aus- als einschließt.

Schattenschrift. 1997/98

Collagen und Copy auf Elefantenhaut-Papier und Transparentpapier. 30 x 21,1 cm. Gerader Rücken. Rückenstärke 1 cm. Fester Einband im gestaltetem Schuber. Gestaltete CD. 39 Seiten, davon 8 Seiten Text.
Lyrik: Klaus-Dieter Brunotte. Musik: Michael Schenk, „Schattenschrift“ 1997.
Texte: Sigrid Noack und Reinhild Tetzlaff.
Auflage: 16 + 4 e. A. Exemplare.

„Schattenschrift“ stellt die Frage nach dem Sinn des Registrierens, Sammelns, Sichtens in Bibliotheken. Auch die nach dem Schreiben, Malen und Musizieren als Ausdruck moralischer Haltungen. „Die Schrift das große Auge hat alles gesehen.“ (Klaus-Dieter Brunotte)

Gaunerzinken. 1994/95

Künstlerbuch Gaunerzinken | Foto: Sigrid Noack

20 mehrfarbige Monotypien, teils auf Plakaten gedruckt, Collagen, Assemblagen: Packpapier und Sand. 29,8 x 41,7 cm. Rückenstärke: 5 cm. 57 Seiten.
Lyrik: Klaus-Dieter Brunotte. Musik: Michael Schenk. Texte: Klaus-Dieter Brunotte, Michael Schenk, Reinhild Tetzlaff.
Fester Einband in gestaltetem Schuber. Einlagen: Musik-Cassette, Heft mit Biographien, Werken in Sammlungen, publizistischem Nachweis.
Auflage: 12 Exemplare.

Gaunerzinken sind sowohl historische Kürzel als auch Symbole neuester Zeitgeschichte. Nach dem Fall der innerdeutschen Grenze wurden sie im Osten Deutschlands neben Türen und Fenstern sichtbar, beunruhigend für die „Bezeichneten“.
Den Ursprung der Gaunerzinken vermutet man im Patrin. Es ist die „Sprache der Sprachlosen“ (Brunotte), die der Fahrenden, nicht Sesshaften, eine lebendige Sprache, die sich veränderten Lebensverhältnissen anpasst und sich fortentwickelt. In ihr verständigen sich Menschen, die auf der Straße leben, über die Sesshaften, Etablierten, von denen sie abhängig sind.
Brunottes Gedichte sind moderne Vagantenlyrik: metrisch vielfältig, satirisch, tragikomisch.
Der Komponist Michael Schenk unterstreicht durch Toncollagen und musikalische Einfälle das Milieu.
Der Charakter des Buches, auch der Corpus des Schubers, ist rustikal. Gerissene Blätter, Fundstücken gleich, Packpapier und Sand sind ruppig und dem Ausdruck gemäß. Das Buch, entstanden 1995, ist eine seismographische Reaktion auf die Zeichen der Zeit.

Vor dem Anfang. 2009

Erste Zeichen und Zeichenritzungen der Menschheit.
22 unikate Blätter, Gouachen, Kreide auf Übermalung. 14 Seiten
Text von Ingeborg Arlt und Sigrid Noack.
Format 35,8 x 29 cm, im Schuber.

Ein Buch über die ältesten Zeichen der Menschheit. Zeichen gaben Menschen einander schon, bevor sie die Schrift erfanden. Beim Betrachten dieser, zum Teil schon aus der Altsteinzeit stammenden, uralten scharf geschnittenen Linien, sich überlagernden Ritzungen, der scheinbaren Kritzel, spürt man noch die Vehemenz des Vorganges, der sie entstehen ließ.

Kleine Kater hassen das. Ein Kinderbuch. 2003

Künstlerbuch Kleine Kater hassen das | Foto: Sigrid Noack

Übermalung und Collagen auf Hartschale. 10 Seiten.
Text: Ingeborg Arlt.
18,7 x 22,7 cm. Rückenstärke 1 cm. Fester Einband. Gerader Rücken. Unikat.

„Kleine Kater hassen das“ ist ein Künstlerbuch für Kinder. Es hebt sich gestalterisch von den üblichen, oft bis zur Austauschbarkeit einander ähnlichen Bilderbüchern ab. Die Formensprache zwischen Realismus und Abstraktion fordert und fördert phantasievolles Betrachten.
Vom Text ausgehend löst die Darstellung die dynamischen Momente des Geschehens heraus. Die Figuren sind bedeutungsperspektivisch eingesetzt. Die Collagen aus geschnittenen Papieren schaffen Atmosphäre. Der aufgeklappte Raum entspricht modernem Raumgefühl.

Die Mittsommernacht. 1996

Katalogübermalung: Tusche, Kasein, Graphit, Vlies-Collage. 27,7 x 24 cm.
Gerader Rücken. Rückenstärke 1,4 cm. 31 Seiten, davon 3 Seiten Text von Sigrid Noack.
Gedicht: Ingeborg Arlt, „Die Mittsommernacht“.
Fester Einband im gestalteten Schuber.
Auflage: 5 + 2 e. A. Exemplare mit unikatem Charakter.

Das gleichnamige Gedicht von Ingeborg Arlt (Anna-Seghers-Preis; C.S.Lewis-Preis) beschreibt Natur- und Seelenlandschaft zugleich. Sommer- und Liebesnacht, Sonnen- und Lebenswende gehen in eines. Den starken Bildern des Gedichtes – das man sich zurzeit noch in der Mediathek des SWR anhören kann – ist nichts Illustrierendes zugeordnet. Der Unergründlichkeit menschlicher Beziehungen, die ein Geheimnis ist, wird ein anderes Geheimnis, das der abstrakten Formensprache, hinzugefügt. Zeile um Zeile des Gedichtes wird bildnerisch interpretiert.

Nihon no E. Bilder aus Japan. 1999

76 Seiten: 7 Gouachen und Assemblagen, 14 Seiten Noten auf Loktapapier, 7 Seiten Text auf Loktapapier.
Gedichte: Ingeborg Arlt.
Drucktechnik: Copy. Drucker: Claudius Noack. 22 x 30,4 cm. Fester Einband. Gerader Rücken. Japanische Bindung in gestalteter Mappe mit Bambusruten-verschluss. Buchbinder: Rita Kelm, Buchbindermeisterin, Guben. Beigabe: Original-CD mit der Komposition „Nihon no E“ von Berit Handrick, Dresden.
Auflage: 7 Exemplare.

„Nihon No E“, die Klavierstücke von Bert Handrick, gaben den Impuls für das Künstlerbuch. Die spartanische, konzentrierte Musik, auf der beigegebenen CD vom Komponisten exzellent interpretiert, prägt den Charakter des Buches. Handgeschöpfte Papiere von Seidelbast tragen die Notenbilder und die Gedichte von Ingeborg Arlt, die charakteristische Formen japanischer Lyrik wie die 31 Silben der tankas oder die kunstvolle Verwendung von Homophonen und die Montage von Zitaten in den wakas aufgreifen.
Die originalen Gouachen und Assemblagen sind von leuchtender Farbigkeit. Die Farbklänge werden zugunsten einer einfachen und klaren Komposition reduziert. Japanische Schriftzeichen auf Nippon-rotem Papier durchziehen das Buch. Der Essay von Reinhild Tetzlaff setzt den Ausdruck des Buches in Beziehung zu fernöstlicher Philosophie.

Faksimile des Künstlerbuchs Sonnenzauber. 2003

Collage, Farbhochdruck, Copy auf Kahari-Papier. 13 Bildseiten farbig, 13 Schwarz-vignetten, 13 Gedichte.
Texte: Sigrid Noack, Frank Petzold, Bernd Pilz.
Musik und Noten, CD: Frank Petzold.
Gestalteter Schuber, gerader Rücken, Format 25,6 x 20,5 cm.
Auflage: 5 Exemplare.

Das Buch ist eine fragmentarische Huldigung der Sonne zwischen Mythos und Wissenschaft, mit einem Text aus dem Alten Ägypten beginnend, bis in die Gegenwart. Texte und Gedichte zeigen eine unterschiedliche Sicht auf das Thema. Echnaton, Goethe, Gleim, Hölderlin und Heine preisen die Schönheit des Gestirns. John Donne macht die Sonne irden; aus der Ehrerbietung tritt sie in die Alltäglichkeit. Grabbes Ohnmacht gegen die Sonne lässt sie seiner Wut zum unantastbaren Gegenüber werden. In der Beschreibung erscheint sie bei Georg Trakl und Jutta Schlott. Für Thomas Rosenlöcher ist sie ein Motor von gewaltiger Triebkraft, und Ingeborg Arlts Sonne ist in all ihrer Kraft hilflos gegen die Aggressivität menschlichen Wirkens.
Der Zeitgeist und die individuelle Befindlichkeit prägen den lyrischen Ausdruck der Sonnen-Charaktere. In den Farbblättern spiegelt sich dieser besondere Ausdruck; die Farbigkeit entspricht dem Inhalt.

Faksimile des Künstlerbuchs Das große Schweigen. 2012

Künstlerbuch-Unikat nach Ludwig Leichhardts Tagebüchern Australien 1844-46. Format: 30 x 34,6 cm, gerader Rücken, Rückenstärke 1,4 cm, in gestaltetem Schuber. Cover: Kahari-Naturpapier, handgeschöpft, aus Nepal, Palmenfaser. 24 ganzseitige Farbabbildungen, 24 Auszüge aus Tagebuchaufzeichnungen  Leichhardts, Siebdruck auf handgetöntem Karton. Buchspiegel vorn und hinten: Leichhardt-Autograph in Offset-Druck.
Essay „Seltenes Vertrauen“ von Ingeborg Arlt, Aufsatz „Das große Schweigen“ von Sigrid Noack.
Alle Texte ins Englische übersetzt von Diana Prinzessin von Sachsen, M.A., Satz: Maximilian Claudius Noack, M.A.

Leichhardts Tagebuchaufzeichnungen von seiner ersten Expedition stellen die wesentlichsten Texte des Buches. Erlebnisse und Erkenntnisse, die seine Persönlichkeit reflektieren, sind bevorzugt beigegeben. Die Handschrift des Forschers unterstreicht die Authentizität der Aussagen. Das Buch verbindet historische Abläufe und wissenschaftliche Erkenntnis mit der Poesie des Erlebten. Ganzfarbige, expressive Bildseiten stehen im direkten Kontext zu Leichhardts Äußerungen. In Struktur und Farbigkeit spiegelt sich der australische Kontinent.
Der Aufsatz von Sigrid Noack gibt Einblick in Leichhardts Motivation und beansprucht ihn für die Gegenwart. Der Essay von Ingeborg Arlt geht am Beispiel Leichhardts der Frage nach, wie die Gesellschaft mit Begabungen umgeht.

Zugetan und aufgeschlossen. 2016

8 Original-Collagen, 8 Original Collage-Vignetten im Unikat. 8 Farbhochdrucke, 8 Schwarz/Weiss-Vignetten in der Auflage. 10 handschriftliche Textseiten auf Transparentpapier. Fester Einband im Schuber. Format 33 cm x 26,7 cm, Rückenstärke: 1,5 cm.
Texte von Ingeborg Arlt, Sigrid Noack und Dr. Maximilian Claudius Noack.
Auflage: 7 Exemplare & 1 e. A. & 1 Unikat.

Türen in Umbrien, in ihrer Verschiedenheit und Ambivalenz wahrgenommen, sind ideengebend gewesen. An Türen beginnt oder endet etwas. Sie ermöglichen oder verwehren den Raumwechsel, erzeugen im Betrachter gute oder ungute Gefühle. Sie rufen Erinnerungen wach, sind Zugang zu erneuter oder neuer Erfahrung.
Mediterrane Farbigkeit, in mildem Terra Siena, durchläuft das Buch. Der expressiven Formensprache der Graphiken, flächig, zeichenhaft, ornamental akzentuiert, steht die Alltagssprache des Gedichts gegenüber, die ihren Kunstwert durch die Wiederbelebung erloschener Metaphern erhält. Schriftüberlagerungen stehen für die Mehrschichtigkeit des Gedichts. Von hölzernen Pfahlburg-Toren bis zur elektronisch gesteuerten Glastür wird sowohl ein Gang durch die Jahrhunderte unternommen, als auch ein Lebensweg abgeschritten.

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Herr Thomas Haetge
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